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Landgard: Leserbriefe attackieren den Konzern

 

 

 

In der aktuellen Taspo Nr. 22, die am vergangenen Freitag erschien, gab es wieder einen Leserbrief der die derzeitigen Verhältnisse bei Landgard kritisch beleuchtet.

Der Verfasser, Wolfgang Gierlich aus Bottrop, greift hier insbesondere das Thema „Kommunikation“ auf.

Gierlich ist der Ansicht, dass viele der heute auftretenden Probleme auf den Mangel an Kommunikation zwischen den Gärtnern und der Landgard zurückzuführen sind.

Auch die Gremien seien kaum in der Lage, die Meinungen von 3000 Gärtnern zu bündeln und zum Wohle der Betriebe in Unternehmensentscheidungen umzusetzen.

Daraus schließt er, dass die Geschäftsführung der Landgard nur ihre eigenen Visionen in das Unternehmen einbringt und Entscheidungen ohne  Einfluss der Gärtner umgesetzt würden.

Simon meint:

Ich kenne die Absatzgenossenschaften  hier am Niederrhein recht gut, auch aus persönlicher Erfahrung.

Mein Vater war Mitbegründer der Azalerika eG  in Kevelaer, die sich mit dem Absatz von Topfpflanzen und hier insbesondere mit der Vermarktung von Azaleen und Eriken beschäftigte.

Damals waren die Betriebe sehr viel enger mit der Genossenschaft verbunden und es war fast ein familiäres Verhältnis zwischen den Gärtnern und ihrer Absatzorganisation.

Die damaligen Geschäftsführer fühlten sich sehr mit den Betrieben verbunden und haben alles getan um zur Zufriedenheit der Mitglieder den Absatz zu organisieren.

Als dann der Zusammenschluss der niederrheinischen Absatzorganisationen aus Kevelaer, Wesel und Straelen zur UGA (Union gartenbaulicher Absatzmärkte) erfolgte und man damit den Absatz aller Produktgruppen wie Topfpflanzen, Gemüse, Schnittblumen etc. bündelte, wurde es mit der Kommunikation schon etwas schwieriger.

Die damaligen Geschäftsführer,  Theo Verweyen aus Straelen sowie Franz Josef Nahen aus Kevelaer,  haben es trotzdem geschafft das Unternehmen im Sinne der Gärtner mit großem persönlichem Engagement weiter nach vorne zu bringen.  

Ich habe damals, nach meiner Ausbildung zum Blumen- und Zierpflanzengärtner,  eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei der UGA in Kevelaer absolviert.

Die Mitarbeiter waren seinerzeit hoch motiviert. Wir kannten jeden Gärtner und auch jeden Kunden persönlich und konnten auf die Bedürfnisse der Marktteilnehmer eingehen.

Die Anzahl der Überstunden waren damals beträchtlich, aber das hat niemanden gestört.

Wichtig war immer, dass die Dinge zum Wohle des Kunden und der Gärtner verliefen.

Wir konnten frei arbeiten und taten das mit großer Begeisterung, was auch ursächlich am positiven Führungsstil der o.g. Geschäftsführer lag.

Durch den dann folgenden Zusammenschluss von UGA und NBV zur heutigen Landgard, haben sich weitere Veränderungen ergeben. Das aus verschiedenen Genossenschaften zusammengefügte Unternehmen Landgard ist zwischenzeitlich ein großer Konzern geworden.

Die Führungspersönlichkeiten bei Landgard befinden sich in einer sogenannten „Sandwich-Position“ . Auf der einen Seite der Kunde, auf der anderen Seite die Produzenten und dazwischen die Konzernlenker.

Jede Interessengruppe fordert ihr Recht. Für die Führung eines solchen Unternehmens ist das nicht ganz unproblematisch. Das müssen auch die Gärtner verstehen.

 Trotzdem möchte ich Herrn Gierlich zustimmen.

Die Zusammenarbeit zwischen den Gärtnern und der Landgard muss auf jeden Fall verbessert werden. Um das zu erreichen, muss seitens Landgard intensiver mit den Betrieben kommuniziert werden.

Hierzu bedarf es  mehrerer vertrauenswürdiger Persönlichkeiten, die die Meinungen und Bedürfnisse der Betriebe aufnehmen und die Ergebnisse den diversen Gremiumsmitgliedern und der Geschäftsführung zur Verfügung stellen, die dann ihrerseits diese Anliegen mit in die Entscheidungsprozesse einbeziehen können.

Die Gremiumsmitglieder haben sich selbst um ihre Betriebe zu kümmern und können nicht immer die Meinungen aller Gärtner auf dem Schirm haben.

Den Vorschlag von Herrn Gierlich, diese Kommunikation über das Internet in verschiedenen Foren zu organisieren, welche ohne großen Aufwand im Rahmen der bereits existierenden EDV – Systeme zu organisieren wären, finde ich ebenfalls interessant und richtig.

Das gesamte Erzeugermanagement muss einen wesentlich höheren Stellenwert bekommen, denn die Basis aller Geschäfte der Landgard sind die Erzeuger. Die Produzenten brauchen ein starkes Sprachrohr innerhalb der Unternehmensführung, um auf Entscheidungen auch wirklich Einfluss nehmen zu können.

Wenn das natürlich niemand fordert, kann es hier auch zu keiner zufriedenstellenden Lösung kommen. Dann verfestigt sich der Eindruck, dass die Geschäftsführung nur ihre eignen Visionen umsetzt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet als Führungskraft in einem Unternehmen zu arbeiten.

Man trifft eigenständig Entscheidungen im Rahmen der betrieblichen Vorgaben und gibt die operative  Richtung für die Mitarbeiter vor. Darüber hinaus verfügt man über ein Budget, welches man frei und zum Wohle des Unternehmens einsetzen kann.

Dies gilt nicht nur für die Konzernführung, sondern auch für die Verantwortlichen in den einzelnen Bereichen. Kein Vorstand oder Geschäftsführer eines großen Konzerns ist in der Lage zu allen Themen alleine die letzte Entscheidung zu treffen. Dazu hat man Führungskräfte, die diese Aufgabe in den einzelnen Bereichen verantwortlich wahrnehmen.

Bei Landgard hatte man oft den Eindruck, dass alle Probleme exklusiv  vom Vorstandsvorsitzenden gelöst werden. Die Verantwortlichen in den Bereichen werden dann zu  zahnlosen Tigern, die im Grunde genommen kaum eine Entscheidung selbst treffen können. Daraus entsteht Unzufriedenheit, die letztendlich bis auf die untersten Mitarbeiterebenen ihre Fortsetzung findet.

Die Einbindung der Mitarbeiter in ein Unternehmenskonzept ist überaus wichtig, denn zum Erfolg wird ein Unternehmenskonzept erst dann, wenn es auch von den Mitarbeitern getragen wird. Bei Landgard beschäftigen sich viele Mitarbeiter derzeit mehr mit Abwanderungsgedanken, als mit dem Tagesgeschäft und das sollte der Geschäftsleitung zu denken geben.

Herrn Gierlich hatte in seinem Leserbrief ja auch auf die zunehmend verärgerten Mitarbeiter hingewiesen.

Zu all diesen Themen sind nun die Geschäftsleitung und die Gremien gefordert.

In dem Unternehmen Landgard steckt, nicht zuletzt auch durch die Mitarbeiter, ein riesiges Potenzial um zum Wohle der Gärtner erfolgreich zu arbeiten. Derzeit haben aus meiner Sicht die Betriebswirtschaftler und Zahlenmenschen das Ruder in dem Unternehmen übernommen. Das ist sicher ein wichtiger Mosaikstein um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, jedoch kann das auf Dauer nur ein Teil des Weges sein.

Wenn nun die Gärtner und Mitarbeiter ein gleiches Maß an Aufmerksamkeit bekommen würden, wäre man hier auf dem richtigen Weg. Jetzt kommt es  darauf an die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen und dabei sind nun speziell die Produzenten gefordert. Auch in der Gärtnerschaft gibt es ein hohes Maß an Unzufriedenheit, was ja nicht zuletzt aus den diversen Leserbriefen hervorgeht.

Ich bin sicher, dass man bei Landgard mit konstruktiver Kritik gut umgehen kann. Dazu gibt es bei diversen Veranstaltungen genügend Möglichkeiten.

Wenn man jedoch eine Gärtnerversammlung nur schweigend über sich ergehen lässt, wird sich auch in der Zukunft nicht viel ändern.

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