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Logistik im Zierpflanzenbau interessiert die Hochschulen am Niederrhein

Dass das Agrobusiness an der Hochschule Rhein-Waal ein Thema ist, ist klar, denn dort wird unter anderem der Studiengang Agrobusiness gelehrt. Dass sich die Hochschule Niederrhein und die Universität Duisburg-Essen für das Thema Agrobusiness interessieren zeigt die Beteiligung an der Informationsfahrt „Wertschöpfungskette Zierpflanzenbau“, die Agrobusiness Niederrhein e.V. für die Vertreter der Hochschulen organisiert hat.

Die logistischen Prozesse standen bei der Besichtigung besonders im Fokus. Frau Güldilek Köylüoglu Alabaş vom Zentrum für Logistik und Verkehr (ZLV) der Universität Duisburg-Essen und Matthias Otte vom GEMIT-Institut der Hochschule Niederrhein stellten Fragen zu den Abläufen und Prozessen. Ebenfalls teilgenommen hat Bastian Hoffmann, Projektkoordinator der ISIS IC GmbH, der eng mit der Hochschule Rhein-Waal zusammenarbeitet und wie alle Beteiligten, Projektthemen im Bereich Logistik und Digitalisierung im Agrobusiness prüft.

v.l. Güldilek Köylüoglu Alabaş, Universität Duisburg-Essen, Christian Witte, Veiling Rhein-Maas, Dr. Anke Schirocki, Agrobusiness Niederrhein, Matthias Otte, Hochschule Niederrhein und Bastian Hoffmann, ISIS IC Wesel zu Besuch bei Veiling Rhein-Maas in Straelen-Herongen (Foto: Agrobusiness)

Gestartet ist die Tour am frühen Morgen bei Veiling Rhein-Maas in Straelen, der einzigen Blumen- und Pflanzenversteigerung in Deutschland. Hier konnten die Teilnehmer einen spannenden Einblick in die Versteigerung und in die logistischen Prozesse bekommen. „In der Hauptsaison werden Blumen und Pflanzen auf bis zu 14.000 CC-Containern pro Tag versteigert und am selben Tag noch zu den Kunden ausgeliefert“, sagt Christian Witte, Manager Logistik Veiling Rhein-Maas. Nach der Versteigerung läuft die verkaufte Ware auf den Stapelwagen über ein automatisiertes Kettenbahnsystem bis hin zur Verladung. Die Ladungsträger können so selbstständig kilometerweite Strecken durch das riesige Areal von Veiling Rhein-Maas zurücklegen.

Die Verladung der Pflanzen auf die LKWs war der nächste Stopp auf der Tour. Greenport Logistics übernimmt die komplette logistische Abwicklung, vom Kontrollieren und Kommissionieren der Ware, bis hin zur Lieferung. „In unserem Kooperationsverbund arbeiten sechs selbständige, renommierte logistische Dienstleister aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland eng zusammen“, erzählt Erik de Vries, Geschäftsführer Greenport Logistics GmbH. Durch diesen Zusammenschluss kann die Logistik noch effizienter und gezielter geplant werden. Dies ist auch ein Gewinn für die Umwelt, denn so kann die Zahl der gefahrenen Kilometer und somit der CO2-Ausstoß reduziert werden.

Neben der großen Versteigerung bei Veiling Rhein-Maas gibt es auch regionale Vermarkter, wie zum Beispiel GASA Germany in Kevelaer. Dies war die nächste Station auf der Besichtigungstour. Oliver Kessel, Geschäftsführer der GASA Group Germany, führte die Teilnehmer durch das gesamte Unternehmen. „Unser Vorteil gegenüber anderen regionalen Vermarktern ist, dass wir sehr international aufgestellt sind. Wir vermarkten Zierpflanzen aus der Region nicht nur in Deutschland, sondern nach ganz Europa und darüber hinaus“, berichtet Oliver Kessel.

Doch ohne Produzenten können die Vermarkter keine Produkte vertreiben. Deshalb wurde als nächstes der Gartenbaubetrieb der Familie Hanka in Kempen besucht. Georg und Dorothee Hanka präsentierten den Teilnehmern ihren sehr technisierten und mit einem besonderen Fokus auf die Nachhaltigkeit ausgerichteten Gartenbaubetrieb. Neben dem Ebbe-Flut System, welches das nicht aufgenommene Wasser der Pflanzen wiederverwendet, besitzt der Betrieb auch eine voll automatische

Pflanzenschneidemaschine und Sortieranlage bei denen die Pflanzen auf Förderbändern ihrer passenden Größenkategorie zugeordnet werden. „Durch diese Systeme können wir nachhaltiger und effizienter arbeiten und entlasten dadurch auch unsere Arbeitskräfte“, sagt Georg Hanka, Geschäftsführer Gartenbaubetrieb Hanka.

Georg Hanka (z.v.l.), Gartenbaubetrieb Hanka in Kempen, erläutert Güldilek Köylüoglu Alabaş, Universität Duisburg-Essen (links), Mattias Otte, Hochschule Niederrhein (d.v.l) und Bastian Hoffmann (rechts) welche Bedingungen die Pflanzen brauchen, um Verkaufsqualität zu erreichen.(Foto: Agrobusiness)

Das letzte Glied in der Wertschöpfungskette ist der Einzelhandel, deshalb wurde zum Abschluss das Gartencenter Schlößer in Moers besucht. Das Familienunternehmen bezieht einerseits seine Pflanzen über die Vermarkter wie Veiling Rhein-Maas und GASA. Durch die räumliche Nähe zu dem wichtigen Anbaugebiet Niederrhein pflegt Schlößer auch eine direkte Beziehung zu den Gärtnern. „Vor Ort können wir uns von der Qualität der Kulturen überzeugen. Aber auch die jahrelange Zusammenarbeit ist uns wichtig, denn wenn sich Vertrauen aufgebaut hat, lassen sich auch geschäftliche Dinge einfacher regeln“, sagt Jonathan Schlößer, Geschäftsführer Gartencenter Schlößer.

Die Wertschöpfungskette Zierpflanzen ist einmalig und setzt ganz besondere Ansprüche an die Vermarktung und Logistik. Zierpflanzen verderben schnell und wenn sie zum Zeitpunkt der Blüte nicht verkauft werden, landen sie auf dem Kompost. Auf der anderen Seite werden Zierpflanzen nur gekauft, wenn das Wetter zum Kauf anregt. Ist es im Frühjahr beispielsweise länger zu kalt, so können Primeln und Stiefmütterchen beim Produzenten stehenbleiben. Bei anhaltenden Schlechtwetterperioden oder Hitze wie aktuell, hat der Verbraucher weniger Lust in den Garten zu gehen. „Diese Aspekte gilt es zu berücksichtigen, wenn es um die Optimierung der logistischen Prozesse geht“, sagt Dr. Anke Schirocki, Geschäftsführerin von Agrobusiness Niederrhein e.V., „Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Geschäftsführern und Vertretern der Unternehmen, die den Hochschulen einen Einblick in ihre Abläufe gegeben haben und sind gespannt, in welcher Form sich die Hochschulen mit dem Thema weiter beschäftigen werden.“

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