Pilotprojekt für mehr Stecklinge mit Fairtrade-Siegel bei toom

von Bernhard Simon

Als erster Händler in Deutschland startet toom mit Fairtrade Deutschland gemeinsam ein Pilotprojekt für mehr Stecklinge mit Fairtrade-Siegel. Als Pionier möchte toom mit diesem Schritt den positiven Effekt von Fairtrade bei den Arbeitern und Arbeiterinnen der Stecklingsfarmen stärken. Dazu müssen mehr Pflanzen mit dem Fairtrade-Siegel verkauft werden und verschiedene Prozesse der Lieferkette vereinfacht werden.

Jungpflanzen, egal ob Weihnachtsstern, Geranie oder Herbstaster, haben eine lange Reise hinter sich, bevor sie in Deutschland zum Verkauf angeboten werden. Sie werden aus Stecklingen kultiviert, die meist aus dem globalen Süden stammen, denn dort herrschen die besten Rahmenbedingungen für ihr Wachstum. In dieser Branche finden Tausende Arbeitern eine Beschäftigung. Vom Schnitt der Stecklinge bis zur fertig kultivierten Pflanze kann der gesamte Prozess beispielsweise beim Weihnachtsstern bis zu 70 Wochen dauern. Um die Lebensbedingungen dieser Menschen zu verbessern, starten toom und Fairtrade ein neues Pilotprojekt.

Gärtnerin auf Stecklingsfarm, Copyright: (c) Fairtrade / Hilina Abebe

Mehr fair gehandelte Pflanzen, niedrigere Produktionskosten, höhere Prämien

Durch das gemeinsame Pilotprojekt von toom und Fairtrade Deutschland sollen die Fairtradeprämieneinnahmen der Mitarbeiter im Süden erhöht werden, die Kosten im globalen Norden reduziert und so Fairtrade-Stecklinge zu einer echten nachhaltigeren Alternative zu herkömmlichen Stecklingen werden.

Um das zu erreichen, werden in dem Pilotprojekt Prozesse vereinfacht, während gleichzeitig alle Fairtrade-Grundsätze eingehalten werden. Zur Kostenreduktion trägt außerdem bei, dass jene Gärtnereien, die die Fairtrade-Jungpflanzen im globalen Norden für toom fertig kultivieren, nicht mehr Fairtrade-zertifiziert sein müssen. Die Pflanzen selbst werden bereits in ihrem Ursprungsland Fairtrade-zertifiziert. Durch 2 diesen Schritt kann es in den Gärtnereien zu Vermischung von fair gehandelten Pflanzen mit konventionellen Pflanzen kommen. Es ist jedoch weiterhin sichergestellt, dass nur die Menge an Pflanzen als Fairtrade-zertifiziert verkauft wird, die auch unter entsprechenden Bedingungen als Stecklinge von den Farmen eingekauft wurden. Dies wird von der unabhängigen Zertifizierungsorganisation FLOCERT bei den Importeuren und bei toom überprüft.

Von seinen europäischen Gärtnereien fordert toom weiterhin eine Zertifizierung nach Milieu Programma Sierteelt (MPS) oder GLOBALG.A.P. sowie das entsprechende Add-on nach GLOBAL G.A.P. GRASP oder MPS SQ für soziale Belange. Zusätzlich ist bei der Produktion in Deutschland eine mindestens 30-prozentige Torfreduktion sowie die Einhaltung des REWE-Rückstandsleitfadens1 für Zierpflanzen obligatorisch.

Verbesserung von Arbeits- und Lebensbedingungen durch Fairtrade

Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter im globalen Süden zu verbessern, erweiterte Fairtrade 2015 seinen Standard für Blumen und Pflanzen um die Kategorie Jungpflanzen. Seitdem können neben Schnittblumen und fertig kultivierten Pflanzen auch Jungpflanzen oder unbewurzelte Stecklinge Fairtrade zertifiziert werden.

Eine Zertifizierung birgt für die Mitarbeiter viele Vorteile. Dazu zählen beispielsweise feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Schutzkleidung oder Trainings zum sicheren Umgang mit Chemikalien. Zudem profitieren sie von einem Lohn, der mindestens der Lohnuntergrenze entspricht, die der Fairtrade-Standard vorschreibt. Zusätzlich erhalten zertifizierte Betriebe eine Fairtrade-Prämie, über deren Verwendung Landwirte und Arbeiter frei verfügen dürfen. Diese können gemeinsam entscheiden, in welche Projekte die Prämie investiert werden soll.

„Wir hoffen, mit den zusätzlichen Prämieneinnahmen eine Reihe von Wünschen der Arbeiter:innen erfüllen zu können. Einer davon ist die Einrichtung einer Kindertagesstätte. Viele Arbeiterinnen sehen sich gezwungen, ihre Arbeit nach der Geburt aufzugeben, weil es niemanden gibt, der sich um ihr Kind kümmern kann“, so Roman Girma, Ernte-Koordinatorin bei Red Fox, einer Pflanzenfarm, die an dem Pilotprojekt teilnimmt. „Außerdem möchten wir die medizinische Betreuung ausbauen, sodass künftig auch die Familien der Arbeiter:innen dort versorgt werden können. Bislang sind nur die Angestellten selbst über die vom Unternehmen betriebene Klinik krankenversichert.“

Ergänzend zur regulären Fairtrade-Prämie zahlt toom außerdem eine Extra-Prämie von einem Cent pro eingekaufter Fairtrade-Pflanze über den Jungpflanzenbetrieb an die Mitarbeiter der Stecklingsfarmen. Das entspricht in etwa einer Verdopplung der Fairtrade-Prämienzahlung. Um jene Pflanzen zu kennzeichnen, die über das Pilotprojekt gehandelt werden, führt Fairtrade ein neues, gesondertes Pilotsiegel ein. Die ersten so gekennzeichneten Weihnachtssterne sind ab November 2022 bei toom Baumarkt erhältlich. Mehr Informationen zum Thema Fairtrade finden Sie unter https://toom.de/ueber[1]toom/nachhaltigkeit/gruene-produkte/fairtrade-pflanzen/

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