Baumarktbranche blickt pragmatisch auf 2024

von Bernhard Simon

Das Jahr 2023 hat viele Menschen verunsichert – mit direkten Auswirkungen auf die Umsätze der DIY-Branche, die z.B. in Deutschland um 3,1 Prozent zurückgingen. Ein Effekt aus vielen kumulierten Krisen. Doch Händler, Lieferanten und Dienstleister zeigen einen pragmatischen Ansatz – und auch durchaus optimistische Ausblicke. Dies fällt angesichts der unverändert schwierigen Situation in fast allen Bereichen tatsächlich nicht leicht: Keine der internationalen Krisen ist derzeit gelöst, die bewaffneten Konflikte in der Ukraine und Nahost werden erbittert weitergeführt – mit allen negativen Effekten auf Rohstoff- und Energieträgermärkte. Auch die Logistik bleibt in manchen Bereichen eingeschränkt. 

Die hohe Inflationsrate im vergangenen Jahr (5,9%) wird sich im Jahr 2024 auf rd. 2,8% mehr als halbieren. Ein erhöhtes verfügbares Einkommen wird breite Bevölkerungsgruppen mit Sicherheit und erweiterten  Ausgabemöglichkeiten versorgen. Wie sich die politische Stimmungslage besonders in Deutschland entwickelt, wird man abwarten müssen. Die Regierungsfraktionen sind aufgefordert, Wachstumshindernisse zu beseitigen, eine positive Aufbruchsstimmung zu generieren und damit die Entwicklung der Gesamtlage deutlich positiv zu beeinflussen. Aktuell steigt in der Branche die Gefahr von Insolvenzen bei Lieferanten und Dienstleistern. Dies betrifft auch viele andere Branchen, Unternehmen liebäugeln wieder viel stärker mit einem Wechsel ins Ausland – mit weitreichenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland.

Der Bausektor leidet

Der Bausektor wird auch 2024 mit deutlichen Herausforderungen zu tun haben. Hohe Preise für Neubauten lassen die Träume so mancher jungen Familie derzeit platzen. Eine Zinsentwicklung, die Kreditkosten in die Höhe steigen lässt, aber private Vermögen nicht mehr adäquat verzinst – all das bringt den Bausektor ins Minus. Der Verordnungdschungel, mit dem Deutschland wie die EU über-ehrgeizige Klimaziele erzwingen wollen, erschwert und verteuert das Handeln in zahlreichen Gewerken zusätzlich – bis hin zur Existenzgefährdung, da auch der Wettbewerb innerhalb Europas teils extrem verzerrt wird. Dabei ist und bleibt der Weg hin zu flächendeckend nachhaltigem Handeln natürlich wichtig. Denn wir alle merken es immer stärker: Das Wetter wird zunehmend zum Risikofaktor und leider oft genug zu Gefahr für Leib und Leben. Gravierende jahreszeitliche Verschiebungen und Starkwetterphänomene stellen auch die DIY Branche vor neue Herausforderungen. Saisonzeiten verschieben sich und der Bedarf nach Sortimenten und Artikeln verändert sich kurzfristig.

Die allgemein schwierige Lage hat Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten: Die „Entweder-Oder-Entscheidungen“ bekommen bei den Kunden immer mehr Gewicht. Entweder man leistet sich mit der Familie eine Urlaubsreise – oder investiert in die neue Gartenterrasse etc. Hier werden Budgets sehr stark emotional belegt – die Bau- und Gartenfachmärkte werden verstärkt kommunikativ ihre wichtigen und lösungsorientierten Sortimente ins Spiel bringen müssen. Gegenüber all dem wird sich die Branche mit dem ihr eigenen Pragmatismus wappnen. Denn: Wirtschaftsanalysten und alle Mitarbeitenden in den Unternehmen wissen, dass die Polykrise = eine komplexe Situation, in der mehrere Krisen oder kritische Entwicklungen gleichzeitig auftreten, auch deutliche Chancen gerade für die DIY-Branche bietet.

Lösungsanbieter

Viele Probleme, viele Lösungen: Die Bau- und Gartenmärkte bieten traditionell die passenden Sortimente für alles, um Heim und Garten zu verschönern, aber auch in Teilen zu sanieren und im Wortsinne wetterfest zu machen. Hier bleibt es aber wichtig, enorm aktuell zu sein: Smart Home, Garten-Umbau, Renovierung und Sanierung bekommen neue Produkte, die es auch Heimwerkern möglich machen, effektiv und oft kostengünstiger als Handwerksprofis zu agieren.

Einstiegssortimente bekommen künftig noch mehr Gewicht. Viele Menschen müssen ihre Budgets aus bekannten Gründen kleiner kalkulieren und – wenn möglich und nötig – auch günstigere Produkte in Betracht ziehen. Der DIY-Handel reagiert bereits darauf und geht mit den Produkten z.B. im Preiseinstieg in eine Verbreiterung der Sortimente und bietet so alternative Lösungen an.

Generell wird das Bauen im Bestand weiterhin stark zunehmen, da Neubauten auf Sicht eher geringe Wachstumsraten aufweisen werden. Der Bestandsmarkt ist für junge Familien oftmals die einzige Chance auf ein eigenes Heim. Hier müssen und werden sich die Baumärkte als verlässlicher Partner der Menschen mit den entsprechenden Produkten und Services positionieren. Die Kooperation mit professionellen Handwerkern wird dabei – sowohl in deren Rolle als Servicedienstleister wie auch als Abnehmer von bau- und renovierungsnahen Sortimenten – eine wachsende Bedeutung bekommen.

Auch 2024 könnte sich der Klimawandel stellenweise wieder von der unangenehmen Seite zeigen. Sogenannte „Wetterereignisse“ mit Stürmen, Starkregen, langen Hitze- und Dürreperioden werden auch in der DACH-Region häufiger und haben Auswirkungen auf die direkte Umgebung und das eigene Heim. Der Handel muss und wird auf aktuelle Entwicklungen reagieren: Bei Regen- und Trockenereignissen müssen die Menschen vielfach vorbeugend, oft leider auch reparierend tätig werden. Hier werden die Bau- und Gartenfachmärkte ihre Sortimente und Beratungsdienstleistungen ausbauen. Dies muss dann jeweils auch kommunikativ begleitet werden.

Die schwierige Situation im Wohnungsbau erfordert gemeinsames Vorgehen und ein Engagement auch der Branche in regionalen und nationalen Kampagnen: Initiativen wie „Baustau aufheben“, Dämmungsinitiativen, Pro Wohnbauförderung etc. sollen an unterschiedlichen Stellen Hebel ansetzen und die Politik zum Handeln bewegen. Das Lobbying sollte dazu an den entsprechenden Schnittstellen hochgefahren werden. Dies gilt auch und besonders der Deregulierung eines überbordenden Verordnungsdschungels, der einerseits Preise treibt und anderseits schnelles „Wiederanfahren“ der Bautätigkeit verhindert.

Garten als Schlüsselfaktor

Das Thema Garten könnte sich indes für die Branche im Jahr 2024 zum relevanten Impuls- und Umsatzturbo entwickeln: Analysen zeigen, dass auch bei stockendem Wohnungsbau der Garten weit weniger betroffen ist und in der Priorität der Menschen weit vorn steht.

Generell wird es für den DIY-Handel im Jahr 2024 darauf ankommen, sich auf seine Stärken zu besinnen und sich als dauerhafter Partner an der Seite der Menschen greifbar zu machen. Das umfasst auch tägliche Arbeit im Sinne eines „Back-to-the Roots“: Passende Sortimente, die die Bedürfnisse der Menschen decken und Verbesserungen und Einsparungen ermöglichen. Verbunden mit der richtigen Beratung zur richtigen Zeit (online wie offline) bei Auswahl und Planung der Projekte.

Fazit: 2024 wird von mehr Chancen als Risiken für die Heimwerker- und Gartenbrache geprägt sein.

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Bernhard Simon – 
Dienstleistungen für die “Grüne Branche”

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