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Können die Zierpflanzenproduzenten Tempo und Niveau halten?

Nach dem langen Lockdown-Winter begann im März der Run auf Zierpflanzen. Die Verbrauchausgaben stiegen in allen Segmenten. Auch die Zierpflanzenproduzenten hatten eine starke Saison. Aber kann dieses Niveau weiter gehalten werden?

Geschäftsverlauf weiter top

Nachdem in der Pandemie bereits zum zweiten Jahr in Folge Herkulesaufgaben gestemmt wurden, ist es erfreulich zu hören, dass für 90 % der Betriebe der Geschäftsverlauf weitestgehend positiv wahrgenommen wurde. Nach dem euphorischen Vorjahr ist das zwar ein leichter Rückgang, aber noch immer ein Ergebnis, dass positiver ausfällt als die Meldungen der vergangenen 30 Jahre!

Auch der Absatz lief – den Meldern nach – sehr gut, im Mittel wurden 91 % der Ware abgesetzt. Hier gibt es jedoch ein klares Gefälle zwischen West und Süd und großen (über 1 ha geschützter Anbau) und kleinen Betrieben (weniger als 3.000 m²). Den besten Absatz meldeten die indirekt absetzenden (Groß-)Betriebe im Westen, aus dem Süden (RP, HE, SL, BW, BY) wurde der geringste gemeldet.

Die Vorschau auf Oktober 2021 bis März 2022 ist hingegen etwas pessimistischer. Die Gründe sind vielfältig.

Trotz brillantem Gesamtmarktergebnis viele Unsicherheiten

Der Blick auf den Gesamtmarkt für Zierpflanzen lässt zunächst einmal Augen funkeln. Nach Schätzungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH auf Basis der ersten neun Monate des Jahres 2021 wuchs das Marktvolumen um 9,6 % auf 10,3 Mrd. EUR (zu Einzelhandelspreisen). Pro Kopf wurde mit rund 124 EUR pro Einwohner knapp 10 EUR mehr für Pflanzen ausgegeben als noch im Vorjahr. Diese Tendenz des Gesamtmarkts trifft dabei auch auf die deutschen Produktionsgärtner zu. Und dennoch herrscht Aufruhr in den Betrieben.

Um ein Gespür dafür zu entwickeln, was die Gärtner in Deutschland beschäftigt, wenn man die alles überlagernde Pandemie ausklammert, fragten wir „Was beschäftigt Sie abseits der Pandemie?“. Da der Fokus sowohl bei der Politik als auch bei den anderen Entscheidern aktuell auf der Pandemie liegt, wollten wir eine Plattform schaffen, auf der die Gärtner ihre anderen Problemfelder aufzeigen konnten. Vieles davon lässt in eine unsichere Zukunft blicken. Denn 47 % der Betriebsleiter beschäftigt die Kostenexplosion bei Energie, Löhnen und Energie. Aber auch die Personalsituation und bürokratische Hürden machen weiteren 30 % große Sorgen.

Höhere Preise fürs Produkt

Aber nicht nur die steigenden Kosten waren Thema. Auch die Preise für das eigene Produkt war ein Dauerbrenner. Nachdem die Preise schon im Pandemiejahr 2020 flächendeckend gestiegen waren, ging der Höhenflug zwischen April und September 2021 weiter. In der aktuellen Erhebung hatten 62 % der Melder von festeren Preisen berichtet – ein Plus von 15 Prozentpunkten zum Vorjahr! Von schwächeren Preisen berichteten aktuell hingegen nur 5 % der Melder. Es wird erwartet, dass diese Entwicklungen bald an Schwellenpreise stoßen. Ob diese überwunden werden bleibt fraglich und lässt die Betriebsleiter in eine unsichere Zukunft blicken.

Wieder mehr Klassiker im Sortiment?

Nachdem die Produktionsmengen an Beet- & Balkonpflanzen im Jahr 2021 ausgeweitet werden sollten, wird es in der Summe wohl etwas weniger Beet-& Balkonpflanzen aus Deutschland geben. Insgesamt sollen im Jahr 2022 ein Prozent weniger Frühjahrsware produziert werden.

Von den großen Klassikern wie Pelargonien und Violen soll es hingegen wieder mehr geben, nachdem sich viele Gärtner in der jüngeren Vergangenheit auf andere Arten fokussiert hatten. Es bleibt abzuwarten, ob der ausländische Trend zu „Vintage-Pflanzen“ im Innenbereich auch im deutschen B&B-Segment zutage treten wird. Bei zwei der Klassiker am Markt steht der Kurs jedenfalls auf Wachstum.

Aber auch die Zimmerpflanzenproduktion steht nicht still, auch wenn dies in Deutschland nach wie vor ein Fall für Spezialisten ist. Zumindest aber ist sowohl bei den blühenden als auch grünen Zimmerpflanzen eine Produktionsausweitung vorgesehen. Beim aktuellen Marktwachstum dieser Segmente wird hier sicherlich auf das richtige Pferd gesetzt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Schnittpflanzenproduzenten zeigten sich in diesem Jahr zufrieden. An der Anbaufläche soll nahezu keine Veränderung stattfinden, wobei durch die steigenden Kosten eine Umstellung auf Kalthausproduktion sicherlich für viele Betriebe in Perspektive rückt. (Quelle AMI – Britta Tröster)

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