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BGI: Valentinstag verlief in den Bundesländern sehr unterschiedlich

Viele hatten gehofft, dass es noch möglich würde am Valentinstag „normal“ zu verkaufen, doch nur in Niedersachsen gab es Lockerungen für den Blumenhandel und in Bayern wurden die Sonntagsverkaufszeiten etwas ausgeweitet.

In Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und NRW sind die Geschäfte ebenfalls geöffnet, aber der Verkauf von Grußkarten oder Geschenken ist nicht erlaubt. Die meisten Blumengeschäfte hatten sich bereits im Vorfeld auf telefonische und Online-Bestellungen eingestellt, die Begriffe Click & Collect, Click & Deliver und Call & Collect gehören nicht erst seit dem Valentinstag zum neuen Alltagsjargon der Floristen.

Zarte Frühlingsfarben mit Rosen und Schneeball in einem kunstvollen Arrangement für Romantiker waren zum Valentinstag 2021 angesagt.(Foto:©Kirchhoff)

Online-Handel und LEH profitieren überproportional vom Lockdown

Der Valentinstag ist traditionell der erste Blumenschenktag im Jahr, und Blumen gehören dabei zu den liebsten Geschenken. Diese werden zu diesem Anlass normalerweise überwiegend im Blumenfachhandel gekauft, doch diesmal waren die Hürden, um an einen Blumenstrauß aus dem Fachhandelt zu kommen für viele Konsumenten hoch. „Unbedingt vorbestellen“ hatten die Blumengeschäfte gebeten. Supermärkte und Online-Versender konnten schon am Freitag und Samstag von den Wünschen nach einem Blumengeschenk und einem bequemen Einkauf trotz Lockdown profitieren.

Umsatz an Valentin je nach Region „super“ bis „desaströs“

Die Blumengroßhändler beschrieben am Montag nach dem Valentinstag ihr Geschäft sehr unterschiedlich. Das überwiegend eisige Wetter hatte sich nicht unbedingt absatzfördernd ausgewirkt. Immerhin konnten viele Großhändler einen leichten bis sehr erfreulichen Anstieg der Umsätze verzeichnen, auch wenn bundesweit das hohe Niveau der Vorjahre nicht erreicht werden konnte. Im Einkauf waren die Preise an den Versteigerungen für rot blühende Produkte wie immer hoch. Ansonsten war die Preisentwicklung „normal“ und vor allem die Nachfrage nach Frühlingsblühern sehr gut. Insgesamt wurde etwas verhaltener eingekauft, aber einige Blumengroßhändler hatten im Vorfeld ein gutes Bauchgefühl und gingen „voll ins Risiko“, was aufgrund vieler Nachbestellungen am Samstag und Sonntag auch belohnt wurde.

Click & Collect war erfolgreich

In den Bundesländern, in denen für die Floristen auch Click & Collect nicht erlaubt war, waren die Umsatzeinbrüche jedoch gravierend. 80 Prozent Minus vermeldete ein Großhändler aus Sachsen. Demgegenüber bedauerte ein Schnittblumengroßhändler vom Niederrhein, dass einige Floristen gar nicht erst öffneten, denn alle, die Vorbestellungen angenommen hatten, machten „zufriedenstellende“ bis „unerwartet gute“ Umsätze. Das Abholen in den Blumenläden klappte am Samstag und Sonntag ziemlich reibungslos. Nur wenige Konsumenten akzeptierten nicht, dass Spontankäufe nicht möglich waren. Gut für die Einzelhändler, dass viele Kunden in diesem Jahr für ihr Blumengeschenk gerne auch tiefer ins Portemonnaie griffen.

AKTUELLE SITUATION

Konsumenten verlangen jetzt nach Blumen und Grün

BGI Präsident Norbert Engler (Foto: BGI)

Aus den Erfahrungen des Valentinstages und angesichts der Verlängerung des Lockdowns zeigen sich der Verband des deutschen Blumen- Groß- und Importhandel (BGI) und seine Mitglieder alarmiert. „Anfang März startet für die Branche die Frühjahrssaison“, betont BGI-Präsident Norbert Engler. „Schon jetzt stehen nicht nur Millionen blühender Pflanzen bereit, sondern auch die Pflanzen für die Selbstversorgung, auf die viele Konsumenten heute mehr denn je Wert legen. Saatgut muss ausgesät und Gemüsejungpflanzen in den nächsten Wochen gesetzt werden. In den Schnittblumenbetrieben suchen Tulpen, Hyazinthen, Ranunkeln, Gerbera und Frühlingszweige ihre Abnehmer. Die Geschäfte des grünen Handels müssen die Möglichkeit bekommen ihre Arbeit wieder aufzunehmen, um diese Blumen und Pflanzen zu verkaufen.“

Wettbewerbsverzerrung schädigt grünen Handel und Produktion

Engler sieht weitreichende Konsequenzen für den gesamten Markt. „Schnittblumen und Topfpflanzen sind Produkte des täglichen Bedarfs, die in den Supermärkten tagtäglich reißenden Absatz finden und zum Ärger des Fachhandels dort aktuell besonders offensiv beworben werden. Die Menschen greifen dort zu, wo Blumen und Pflanzen angeboten werden, sie brauchen in dieser Zeit die positive Atmosphäre, die sich mit Blumen und Pflanzen in Haus und Garten schaffen lassen.“ Viele Groß- und Fachhändler befürchten, dass es nicht nur bei der aktuellen Wettbewerbsverzerrung bleibt, sondern es vielmehr zu grundlegenden und nachhaltigen Umwälzungen in den Handelsstrukturen kommen könnte, die den kleinen und mittelständischen Unternehmen enorm schadet.

Die grüne Branche sei in einer anderen Situation als Händler die Konsumgüter anbieten, so Engler: „Wir handeln mit lebender Ware, verderblichen Frischeprodukten, die dem Markt in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen. Viele Produktionsgärtnereien sind Saisonbetriebe die Frühjahrsblüher und Beetpflanzen verkaufen. Ihre Saison beginnt jetzt und die Blumen und Pflanzen müssen spätestens ab Anfang März verkauft werden, wenn sie nicht vernichtet werden sollen. Es handelt sich um lebende Produkte, ein späterer „Sale“ oder Einlagern, wie in anderen Branchen, ist bei uns nicht möglich.“

Grüner Handel ist auf Frühjahrssaison mit Corona vorbereitet

Der Blumenhandel sei auf eine Öffnung vorbereitet. Corona werde nicht morgen verschwinden, wir brauchen also einen Weg mit Corona, betont Engler. „Wir haben den Rahmen gesteckt, wie wir im Fachhandel sicher öffnen können, trotz Corona.“

Für einen sicheren Einkauf hat der grüne Handel bereits im letzten Frühsommer die Weichen gestellt. Die entwickelten Konzepte sind bereits erprobt. Es wurden Investitionen getätigt, im Vertrauen darauf, dass so die Möglichkeiten für eine Öffnung aufrechterhalten werden. Bereits im letzten Frühjahr starteten die grünen Verbände gemeinsam die Kampagne „Mit Abstand grün“, die Gartencenter, Gartenmärkte, Einzelhandelsgärtnereien und Blumengeschäfte dabei unterstützt über Hygienemaßnahmen aufzuklären, das Risikobewusstsein hoch zu halten und die Maskenpflicht, sowie die Hygiene- und Abstandsregeln auch vor Ort in den Verkaufsstellen offensiv zu behandeln.

„Viele Fachhandelsgeschäfte haben große Verkaufsflächen und sind weniger stark frequentiert als Lebensmittelgeschäfte und auch in kleineren Blumengeschäften lässt sich die Kundenfrequenz sehr gut regeln, wie unter anderem das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt“, spricht sich Engler für eine baldige Öffnung des grünen Handels aus. „Jede zusätzliche Verkaufsstelle für Blumen und Pflanzen hilft die zu erwartende große Nachfrage zu verteilen.“

Preiskampf in der Produktion

Darüber hinaus betreffen die Auswirkungen des Lockdowns die gesamte Handelskette: „Wenn der grüne Fachhandel mehrheitlich nicht öffnen darf, entsteht ein Überangebot in den Produktionsbetrieben, wo der Lebensmittelhandel dann zu Niedrigpreisen einkauft. Lieferverträge, die häufig schon vor einem Jahr abgeschlossen wurden, werden neu verhandelt, weil sich die Marktsituation verändert hat. So werden die Produktionsbetriebe doppelt bestraft.“

Gravierende Auswirkungen befürchtet

Das sich so verändernde Preisgefüge und hat gravierende und nachhaltige Auswirkungen auf die Wertschätzung der Produkte und die Wertschöpfung der gesamten Produktions- und Absatzkette, befürchtet man im BGI. Als Konsequenz sei zu erwarten, dass sich Erzeugerbetriebe in ihren nächsten Kulturzyklen in ihrem Angebot auf veränderte Absatzstrukturen einstellen müssten – dies könne den Trend zu weniger Vielfalt hin zu mehr Massenware forcieren.

Funktionierende Lieferketten in Gefahr

Die Entwicklungen haben aber noch weitreichendere Konsequenzen auf entwicklungs- und wirtschaftspolitischer Ebene. Norbert Engler fordert dazu auf, auch über den Tellerrand hinauszublicken: „Der gesamte Gartenbau und der grüne Handel sind auf die Produktion in Ländern angewiesen, deren Wirtschaftskraft von Exporten abhängig ist. Jungpflanzen und Stecklinge aus Afrika und Mittelamerika, Schnittblumen aus Afrika und Lateinamerika bilden in vielen Fällen die Grundlage der gesamten Angebots- und Handelskette. Aufgrund fehlender Nachfrage bei uns, werden in diesen Ländern über viele Jahre aufgebaute, funktionierende Strukturen zerstört, die in der Vergangenheit auch zur wirtschaftlichen Emanzipation der Menschen in den Erzeugerländern beigetragen haben. Auch wenn es angesichts der gerade vollen Gewächshäuser merkwürdig klingt, wir brauchen diese Basis einer funktionierenden globalen Lieferkette, sonst wird die Warenbeschaffung in Zukunft deutlich erschwert.“

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