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Baumarktbranche legt fürs erste Quartal 2021 sehr spezielle Zahlen vor

Nach den situationsbedingten Umsatz-Höhenflügen im Coronajahr 2020 bestätigen die Zahlen nun für die DIY-Branche in Deutschland im ersten Quartal die befürchtete Vollbremsung. Nach der Aberkennung der Systemrelevanz durch eine mit dem Pandemiehandling manchmal überfordert scheinende Politik brechen die Umsätze der deutschen Bau- und Gartenfachmärkte im Lockdown zeitweilig deutlich ein. Mit nur 3,45 Mrd. Euro Bruttoumsatz stehen -21,3 Prozent weniger zu Buche als im Vorjahr, flächenbereinigt sind es sogar -22,3 Prozent.

Ein Trend, der sich allerdings für den März in der Alleinbetrachtung schon wieder deutlich ins Positive verkehrt (+18,0 bzw. +16,8 Prozent). Für Österreich und die Schweiz, die im ersten Quartal 2020 fast komplett vom Lockdown betroffen waren und jetzt von einer wirtschaftsorientierten Politik profitieren, weist die Statistik weit positivere Werte aus. In Österreich erreicht der Umsatz 606,7 Mio. Euro und damit ein Plus von +30,7 Prozent (flächenbereinigt +26,2 Prozent). In der Schweiz fallen die Sprünge sogar noch drastischer aus: Hier setzten die Märkte im ersten Quartal 895,4 Mio. CHF um, ein Plus von +46,1 Prozent (flächenbereinigt +44,5 Prozent).

„Die völlig unnötig verursachten Umsatzeinbrüche in Deutschland sind und bleiben das Ergebnis unstimmiger Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern“, betont BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst.

Das Infektionsrisiko für Besucher der Märkte sei durch die Infrastruktur und die mit enormem Aufwand etablierten Sicherungsmaßnahmen nahezu nicht existent. Trotz unermüdlicher Kommunikation und Informationsgesprächen des BHB und zahlreicher Handels- und Industrieunternehmen mit allen politischen Entscheidern sei eine faktenbasierte Beurteilung der Lage kaum noch erfolgt, die politischen Entscheider verharrten angesichts der Inzidenzzahlen quasi in einer Schockstarre. „Das hat enormen wirtschaftlichen Schaden verursacht“, betont Wüst. Die derzeit exorbitanten Steigerungsraten in Österreich und der Schweiz seien mit wochenlangen Lockdowns in der ersten Corona-Phase 2020 ebenfalls teuer erkauft.

Keine reelle Vergleichbarkeit der Einzelsortimente

Eine Einordnung der Sortimentsumsätze ist im Kontext der Öffnungsbeschränkungen, denen sich deutsche Baumärkte in dem seit dem 16. Dezember andauernden Lockdown ausgesetzt sahen, nahezu obsolet. Die fehlende Möglichkeit für Endverbraucher, tatsächlich in einem der 2095 deutschen Baumärkte ungehindert einkaufen zu können, verursachte in nahezu allen Warengruppen deutliche Minuseffekte. Bei den einzigen Sortimenten im Plusbereich (Gartenausstattung, +8,5 Prozent) und Gartenmöbeln (+19,8 Prozent) lässt sich ebenfalls die Auswirkung der Politik (Sonderöffnungsregelungen für Gartencenter) erkennen. Hier hat der BHB, im engen Verbund mit anderen ‚grünen‘ Verbänden zumindest einen Teilerfolg erzielen können.

Dies wirkt sich zum Beispiel in Teilen aus, wenn man den März einer Alleinbetrachtung unterzieht. Besonders stark performen die Gartensortimente und bis auf Farben/ Malerzubehör und Haushaltswaren drehen alle Warengruppen wieder ins Plus. Aber auch hier erschwert die kurzzeitige Schließung auch deutscher Baumärkte im März 2020 einen aussagekräftigen Umsatz-Vergleich.

Quelle: GfK-Total-Store-Reports, D-A-CH, März 2021

Verkehrte Welt bei den Nachbarn

Mit dem Corona-Beginn zum Anfang März 2020 waren Österreich und die Schweiz besonders von der Lockdown-Politik betroffen. Wochenlang blieben die Bau- und Gartenfachmärkte komplett geschlossen, während in Deutschland bereits die Wiederöffnung durch die damals anerkannte Systemrelevanz griff.

So erklären sich in Österreich aktuell exorbitante Steigerungsraten im Vorjahresvergleich von z.B. +196,1 Prozent bei Gartenmöbeln, +99,8 Prozent bei Gartenmöbeln oder +96,9 Prozent bei Gartenbe- und -entwässerung. Dass keines der anderen Sortimente in den Minusbereich rutschte, sei am Rande erwähnt. Wirklich aussagekräftige Vergleiche mit der an Wetter- und Gesellschaftstrends orientierten Betrachtung aus den Vorjahren sind deshalb definitiv nicht sinnvoll möglich.

Quelle: GfK-Total-Store-Reports, D-A-CH, März 2021

Recht ähnlich stellt sich die Situation in der Schweiz dar. Auch hier entstehen für das 1. Quartal 2021 bei den Gartenmöbeln (+165,2 Prozent) oder Lebendgrün (+116,9 Prozent) drastische Steigerungen – ohne echte Vergleichsbasis. Auch in der Schweiz gab es kein Sortiment im Minusbereich.

Quelle: GfK-Total-Store-Reports, D-A-CH, März 2021

Aussicht: Unklar, aber mit positiven Vorzeichen

Bereits im Rahmen der BHB-Jahrespressekonferenz hatten Vorstand und Geschäftsführung des BHB eines verdeutlicht: Eine mit Zahlen untermauerte Prognose für die Entwicklung der DIY-Branche im Gesamtjahr ist derzeit seriöserweise nicht möglich. Zu volatil haben sich in den letzten Wochen und Monaten die Entwicklung der Pandemie, vor allem aber auch die Maßnahmen der Politik gezeigt.

BHB-Vorstandssprecher Peter Tepaß: „In dieser verwirrenden Lage, in der Ordnungsbehörden teils in derselben Stadt unterschiedliche Schließungsanordnungen durchgesetzt haben, hat die Branche bewiesen, dass die Bau- und Gartenfachmärkte in Führung und Struktur sehr gut positioniert sind. Oft waren blitzschnelles Entscheiden und Handeln notwendig, um noch mehr Schaden abzuwenden und zumindest einen Teil des Umsatzes durch eCommerce-Maßnahmen wie R&A oder Versand zu erhalten. Dieses hat unseren Teams in den Märkten zusätzliche Belastungen gebracht – und wir sind wirklich stolz, mit welch hohem Engagement die Mitarbeiter diese Aufgaben angenommen und bewältigt haben.“

Einen positiven Trend sieht René Haßfeld, stv. Vorstandssprecher des BHB: „Seit Beginn der Pandemie haben viele Menschen ihre Liebe zum Home Improvement wiederentdeckt, sehr viel an Haus und Heim gewerkelt und in dessen Ausstattung investiert. Dabei sind die Bau- und Gartenfachmärkte erste Wahl als Partner für die Umsetzung – dies erfahren wir von Stammkunden, aber auch vielen neuen Kunden, die unsere Produkt- und Beratungsqualität zu schätzen wissen. Zwar wird sich mit der zunehmenden Normalisierung der Lage auch das Leben wieder in andere Bereiche verlagern, aber wir sind optimistisch, dass die Trends aus 2019 weiterlaufen und das „Do-it-yourself“ relevanter Teil ihres Lebensstils wird.“

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