Die aktuellen Preissteigerungen für Energieprodukte im Vorjahresvergleich sind teilweise ähnlich hoch wie in früheren Ölkrisen und Weltwirtschaftskrisen. Unmittelbar nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren fielen sie jedoch deutlich stärker aus. Das zeigt eine vergleichende Betrachtung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur Entwicklung der Preise für Erdöl und daraus raffinierte Mineralölprodukte sowie für Erdgas in den vergangenen 50 Jahren und auf verschiedenen Wirtschaftsstufen. Im März 2026 zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher an Tankstellen in Deutschland durchschnittlich 17,3 % mehr für Superbenzin und 29,7 % mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 20,0 % teurer. Die Verbraucherpreise für leichtes Heizöl stiegen um 44,4 % gegenüber März 2025.
Die Preissteigerungen bei Kraftstoffen und Energieprodukten unmittelbar zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine waren noch deutlich stärker ausgefallen als aktuell, allerdings vor dem Hintergrund des damals niedrigeren Ausgangsniveaus im Vorjahr: Im März 2022 zahlten private Verbraucherinnen und Verbraucher an den deutschen Tankstellen durchschnittlich 41,9 % mehr für Superbenzin und 62,7 % mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 46,8 % teurer. Für leichtes Heizöl mussten private Verbraucherinnen und Verbraucher sogar fast zweieinhalb Mal so viel (+144,4 %) bezahlen wie im März 2021.
Hohes Niveau bei Erzeuger- und Importpreisen von Energieprodukten
Auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ergibt sich für die Importpreise und die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im März 2026 beim Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings ein geteiltes Bild. Dieses ist zum einen bedingt durch das seit Beginn des Kriegs in der Ukraine immer noch hohe Preisniveau bei der Einfuhr und Erzeugung ausgewählter Energieprodukte. Zum anderen hängt es auch mit längerfristigen Verträgen und Preisbildungsmechanismen zusammen. Insbesondere die Erzeugerpreise für Mineralölerzeugnisse stiegen durch die Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten mit 18,3 % im März 2026 gegenüber März 2025 stark an. Dagegen lagen sie bei Erdöl (-10,2 %) und Erdgas (-19,5 %) niedriger als ein Jahr zuvor. Der aktuelle Preisanstieg im März 2026 zeigt sich hier im Vergleich zum Vormonat Februar 2026 mit +14,8 % bei Erdöl und +8,8 % bei Erdgas.
Ähnlich wie bei den Erzeugerpreisen fiel die Entwicklung auch auf der Stufe der Importpreise unterschiedlich aus: Im März 2026 waren Erdölimporte 24,6 % teurer als ein Jahr zuvor, Importe von Mineralölerzeugnissen verteuerten sich um 48,6 %. Dagegen fielen die Importpreise für Erdgas (-8,6 %) im Vorjahresvergleich niedriger aus. Auch hier ist der Rückgang der Importpreise auf das höhere Ausgangsniveau im Vorjahr zurückzuführen. Im Vormonatsvergleich, also gegenüber Februar 2026, hat sich sowohl der Import von Erdöl (+45,9 %) als auch der von Mineralölerzeugnissen (+41,6 %) und Erdgas (+19,6 %) zuletzt dagegen kräftig verteuert.
Zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine waren die Importpreise für Erdöl (+87,5%), Mineralölerzeugnisse (+108,4 %) und Erdgas (+330,5%) im März 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat weitaus stärker gestiegen. Grund für die starken Anstiege der Importpreise war allerdings auch ein Basiseffekt: Aufgrund geringer Nachfrage zu Pandemiezeiten waren Öl- und Gasimporte zu Beginn des Jahres 2021 noch sehr günstig. Ähnliche Entwicklungen wie aktuell im Zuge des Kriegs im Nahen Osten waren bislang lediglich im Zusammenhang mit den beiden Ölkrisen 1974 und 1980 sowie der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu beobachten.