Kommentar: Verfall der Wertigkeit gartenbaulicher Produkte

von Bernhard Simon

Simon meint:

In der Gartenbaubranche erleben wir derzeit einen zunehmenden Preisverfall. Für viele Gartenbaubetriebe ist es schwierig geworden kostendeckend zu produzieren.
Die Rationalisierungsmöglichkeiten wurden in den letzten Jahren größtenteils ausgeschöpft. Hinzu kam, dass nach der Rationalisierungsphase vielfach noch eine Flächenerweiterung folgte, was weiteren Druck auf den Markt ausübt. Wenn man sich im Gegensatz dazu die aktuelle Marktentwicklung bei Blumen und Pflanzen anschaut, stellen wir eine Stagnation mit leichten Ausschlägen, je nach Saisonverlauf fest.

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) machte anlässlich des Erntedankfestes am vergangenen Sonntag auf den Preisverfall und die mangelnde Wertschätzung für Obst und Gemüse aufmerksam. Jedoch mit dem allgemeinen Hinweis darauf, dass der Preisdruck aus dem Lebensmitteleinzelhandel kommt, macht man es sich in den Verbänden doch zu einfach.

Der Grund für den Preisverfall gärtnerischer Produkte sind eigentlich die Betriebe selbst. Der gartenbauliche Unternehmer trifft die Entscheidungen über seine Produktion eigenverantwortlich.
Zu oft richtet sich die Produktionsentscheidung nicht danach was der Markt verlangt, sondern orientiert sich vielfach daran was der einzelne Unternehmer am besten kann. So besteht, je nach Saisonverlauf, immer die Gefahr, dass die produzierte Ware nicht kostendeckend abgesetzt werden kann.
Erfolgreiche Betriebe hingegen beschäftigen sich intensiv mit Neuzüchtungen und Konzepten und gehen dabei auch immer ein gewisses Risiko ein. Diese Unternehmer bringen interessante Neuheiten und hochwertige Qualitäten auf den Markt und erarbeiten sich dadurch einen Wettbewerbsvorsprung. Diese Ware findet Ihren Absatz größtenteils im Fachhandel und in Gartencentern, wo man bereit ist diese Qualitäten auch zu honorieren.

Tatsache ist, dass wir schon seit vielen Jahren gut mit der Sozialen Marktwirtschaft in unserem Land zurechtkommen. Die Preise für Produkte in diesem Wirtschaftssystem sind abhängig von Angebot und Nachfrage.
Die von den Verbänden kolportierte mangelnde Wertschätzung für viele Produkte und der damit einhergehende Preisverfall ist immer auch ein Indiz dafür, dass zu viel dieser Ware, ohne entsprechende Nachfrage, im Markt ist.
Angesichts dieses Überangebotes kommen die Preise unter Druck. Dafür kann ich nicht den Einzelhandel in Haftung nehmen.

Sicherlich versuchen die großen Discounter sowie LEH- und Baumarktkonzerne sich über eine aggressive Preispolitik am Markt zu behaupten.
Richtig ist auch, dass in den Führungsetagen großer Einzelhandelskonzerne diesen Produkten nicht immer die Wertschätzung zukommt, die ihnen eigentlich zusteht.
In der Beurteilung der Warengruppe „Lebendes Grün“, also Innen- und Außenpflanzen geht es in den Konzernen meist um die schwierige und personalintensive Bearbeitung dieser Artikel im Tagesgeschäft und zusätzlich steht ganz besonders das Thema Abschriften im Fokus.

Am vergangenen Wochenende und am Montag habe ich einen real-Markt in Ludwigshafen/Rhein besucht. Dort war der Pflanzenbestand schon am Freitag größtenteils vertrocknet. Bis Montagmittag wurde daran nichts geändert und neue Ware stand in frisch gepackten Containern schon daneben. Aus der Erfahrung weiß ich, dass dies kein Einzelfall ist. Wie soll da ein Kunde Vertrauen schöpfen. Mir ist es unbegreiflich, dass die Metro-Kette in Ihren Häusern einen derartigen Pflanzenauftritt duldet. Auf diese Weise kann man in diesem Bereich sicher nicht erfolgreich sein und außerdem wirkt sich eine solche Präsentation in der Kundenwahrnehmung auch negativ auf andere Frischware aus.

Auf dem diesjährigen Garden-Summit des BHB (Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e. V.) der Anfang September 2015 in Köln stattfand, machte Stefan Gatz, Categorymanger für Blumen und Pflanzen bei Globus, auf einige Dinge aufmerksam.
Dabei wies er auch darauf hin, dass in den Konzernen beim Einkauf von Blumen und Pflanzen immer noch der Preis und weniger die Qualität im Mittelpunkt stehe.
Stefan Gatz formulierte sinngemäß, dass man beispielsweise im Baumarktbereich erfolgreich das komplette Angebot für Haus und Garten vorhalte, jedoch habe der Bereich „Lebendes Grün“ in diesem Marktsegment gegenüber den Mitbewerbern aus dem Fachhandel weiter verloren.
Es sei an der Zeit, dass hier seitens des Einzelhandels ein Umdenken erfolge, um den Qualitätsansprüchen des Endverbrauchers gerecht zu werden.

Dies ist sicherlich der richtige Ansatz, jedoch solange wir uns im derzeitigen Markt mit einem großen Überangebot befinden, wird man hier nur schwer zu nachhaltigen Ergebnissen kommen.

Es sind also Verbesserungen hinsichtlich der Nachfrage und der Produktionssteuerung gefragt. Mit Vorwürfen an den Einzelhandel kommt man hier nicht weiter, denn auch der Einzelhandel würde gerne seine Margen verbessern.

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Bernhard Simon – 
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