IPM ESSEN 2020 zeigt Trends und neue Produkte

von Bernhard Simon

Klima und Nachhaltigkeit als neue Chance für den Gartenbau

Was liegt im Trend? Was ist neu? Die grüne Branche stellt sich vor – lokal und global, vom Start-up bis zum Branchenführer. Das gibt es nur einmal im Jahr: Vom 28. bis 31. Januar 2020 findet die IPM ESSEN zum 38. Mal in der Messe Essen statt.

Die Weltleitmesse gilt als Wegweiser der kommenden Gartenbausaison. Über 1.500 Aussteller aus rund 50 Nationen präsentieren Fachbesuchern aus aller Welt ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Pflanzenproduktion: von Pflanzen über Technik und Floristik bis hin zur Ausstattung für den Point-of-Sale.

Dabei sind die Bedingungen für den erfolgreichen Absatz von Blumen und Pflanzen so gut wie selten. Auf internationaler Ebene meldete die RoyalFlora Holland als weltweit einer der bedeutendsten Handelsplätze bereits im ersten Halbjahr 2019 gute Geschäfte. Mit etwa 8,7 Milliarden Euro Umsatz in 2018 bietet Deutschland einen stabilen Markt, der dem Zeitgeist entsprechend noch Luft nach oben hat. So erleben Grünpflanzen bereits seit 2017 ein wahres Comeback: Stückzahlen steigen, Durchschnittspreise ebenso.

Impression von der IPM ESSEN 2019.
Die IPM ESSEN ist die Weltleitmesse des Gartenbaus. Rund 1.600 Aussteller aus fast 50 Nationen präsentieren vom 28. bis 31.Januar 2020 ihre Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der grünen Branche: von Pflanzen und Schnittblumen in allen Farben und Formen über neueste Technik und Floristik auf höchstem Niveau bis hin zur verkaufsfördernder Ausstattung für den Point-of-Sale. 2020 ist Frankreich Partnerland der IPM ESSEN. (Foto:Alex Muchnik/©MESSE ESSEN GmbH)

Ruf nach mehr Grün

Social Media prägt das neue Image der schicken Zimmerpflanze, die für vieles gleichzeitig steht: Verantwortung, Umweltbewusstsein oder Lifestyleprodukt. Einige Influencer haben ihren Besuch auf der IPM ESSEN bereits angekündigt. Ihre Accounts liefern Inspiration für Pflanzenliebhaber. Dabei ist es kein Zufall, dass parallel zum Wohnzimmer auch im öffentlichen Raum der Ruf nach mehr Grünflächen ertönt, brachliegenden Industriedenkmälern urbane Gärten abgewonnen, Balkone und Dächer bepflanzt und Schottergärten renaturiert werden, zum Beispiel durch eine Wildblumenwiese für gefährdete Bienen.

Es geht vor allem um eines: mehr Nachhaltigkeit. Dafür forsten ganze Städte auf. Der Bund Deutscher Baumschulen bietet im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“ ein Seminar zum Thema „Nachhaltigkeit in der Kommune gestalten – Berichte aus der Freiraumplanung“ auf der IPM ESSEN an. Wo der Weg für die Staatengemeinschaft hingeht, darüber spricht der ENA, der Europäische Baumschulverband, der sich traditionsgemäß auf der Messe trifft.

Baumschulen verzeichneten zuletzt gute Zahlen bei der Vermarktung von Gehölzen: Allein deutsche Großmärkte registrierten ein Umsatzplus von bis zu 40 Prozent. Kein Wunder, wenn Kampagnen wie #einheitsbuddeln, die große Baumpflanzaktion, die von der Kieler Landesregierung zum Tag der deutschen Einheit ins Leben gerufen wurde, Menschen im ganzen Land dazu bewegte, die Schaufel in die Hand zu nehmen und insgesamt 110.000 Bäume zu pflanzen.

Messeprogramm greift Klimaproblematik auf

Die Initiatoren gaben den Tipp, vor allem heimische Arten zu wählen. In Stadt und Garten waren das zum Beispiel Feldahorn und Platane. In der freien Landschaft rieten die Fachleute zum Beispiel zu Kastanien. Silberlinden finden sich besonders gut mit den Auswirkungen des Klimawandels ab und wurden deswegen ebenfalls empfohlen. Welche Bäume den veränderten klimatischen Bedingungen sonst noch standhalten, das weiß die Stiftung „Die grüne Stadt“, die dazu für die kommende IPM ESSEN spezielle Info-Rundgänge plant.

Nach der Jahrhundertdürre 2018 folgte mit 2019 ein weiteres Jahr mit lang anhaltend hohen Temperaturen. Ende Juli wurde in der Stadt Lingen, etwa 150 Kilometer vom Messezentrum Essen entfernt, der bisherige Hitzerekord für Deutschland mit 42,6 Grad gemessen. Nicht nur Bäume sondern auch die meisten heimischen Pflanzen kommen mit diesen Extremen nur schwer zurecht. Die Branche muss darauf reagieren, etwa durch den Anbau von Gewächsen mit eigenem Wasserspeicher, wie Sedum und Saxifraga.

Helden der Branche

Danach sind frische Ideen für die erfolgreiche Vermarktung gefragt. Hierfür steht das IPM Discovery Center in Halle 7 unter Leitung von Kreativdirektor Romeo Sommer, wo komplette Ladensituationen nachgestellt werden und praktische Handlungsempfehlungen für mehr Absatz diskutiert werden – eine Mischung aus Showroom, Kommunikationsfläche, Ideenschmiede und, entsprechend dem aktuellen Leitgedanken der Sonderschau, einer Hall-of-Fame. Für die IPM ESSEN 2020 verfolgt die Plattform den Ansatz, Aussteller und Produkte als „Helden“ zu inszenieren. Denn: Mit Superhelden lassen sich nicht nur in Comic-Heften und Hollywood-Produktionen spannende Geschichten erzählen, sondern auch am Point-of-Sale.

Produkten, die durch umweltschonendes Verpackungsmaterial überzeugen, könnte in diesem Zusammenhang zum Beispiel der Titel „Recycling Hero“ verliehen werden. Ein Gütesiegel, das wohl auch das Angebot des Gladbecker Unternehmens Junger Spross beschreibt: Die Firma bietet Anzuchtsets in Papiertüten an. Das Start-up aus dem Ruhrgebiet präsentiert sich auf der IPM ESSEN auf einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Gemeinschaftsstand, wo sich junge innovative Unternehmen treffen. Ebenfalls mit dabei: WeGrow aus Tönisvorst. Das Unternehmen etabliert sich derzeit als Spezialist auf dem Gebiet des nachhaltigen Anbaus von schnellwachsenden Kiribäumen. Die Start-ups zeigen das, was sich auch auf der IPM ESSEN seit Jahren bereits abzeichnet: Der Trend geht zu Produkten die nachhaltig, ressourcenschonend und geeignet für den Klimawandel sind. Dazu zählen hitze- oder kältetolerante Pflanzen- und Gehölzsorten sowie luftreinigende und leicht zu pflegende Zimmerpflanzen.

Jedes Jahr entwickeln Züchter weltweit neue Varianten. Die meisten Neuheiten sind tatsächlich erst auf der IPM ESSEN zu sehen. Im vergangenen Jahr waren das mehr als 2.500 Produkte – hauptsächlich Pflanzenzüchtungen. Die besten Innovationen werden jedes Jahr im Rahmen des Neuheitenschaufensters vorgestellt. Treffpunkt ist die Green City in Halle 1A. Hier ist es besonders bunt. Vor allem, weil Top-Floristen in verschiedenen Shows ihr Können präsentieren. Die neuen Hallen der Messe Essen sind zum Start der IPM ESSEN komplett modernisiert und bieten dafür die perfekte Kulisse.

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Bernhard Simon – 
Dienstleistungen für die “Grüne Branche”

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