Agrobusiness: Exkursion zum Campus Wageningen

von Bernhard Simon

Der Campus University & Research in Wageningen gilt als Hotspot für Innovationen im Agri-Food-Bereich. Er vereint Agrarforschung auf höchstem Niveau, Bildung und Unternehmertum und beherbergt sowohl die Universität mit rund 13.000 Studierenden als auch etwa 7.000 weitere Akteure aus über 230 Organisationen und 109 Nationen. Die internationale Vernetzung ist entsprechend stark ausgeprägt. Mehr als ein guter Grund für das Projekt Agropole Innovates, diesem innovativen Standort einen Besuch abzustatten und interessierten Personen aus dem grenzüberschreitenden Netzwerk einen Einblick in aktuelle Technologien, Forschung und Entwicklungen vor Ort zu geben.

Die Besuchergruppe nach dem Rundgang vor einem Gebäude des NPEC (Foto: Agrobusiness)

NPEC – Pflanzenforschung unter perfekten Bedingungen
Die Forschungseinrichtung verfügt über hochmoderne Ausstattung, neuartige Technologien, Roboter und automatisierte Anlagen, um Pflanzen unter vollständig kontrollierbaren Bedingungen zu untersuchen. Das Ziel besteht darin, zu verstehen, wie sich unterschiedliche Phänotypen – also Merkmalsausprägungen – unter definierten Umweltbedingungen entwickeln und reagieren und welche Sorten sich besonders gut für den Einsatz im Feld eignen. In den Klimakammern des NPEC lassen sich Temperatur, Licht, Luftfeuchte und weitere Umweltfaktoren exakt einstellen. Dadurch können Forschungsgruppen klimatische Bedingungen aus aller Welt simulieren. Pro Kammer stehen drei Versuchstische bereit, auf denen jeweils ein Phänotyp getestet wird. Dadurch entstehen direkte Vergleichsmöglichkeiten unter identischen Bedingungen. Während der Versuche bleiben die Räume vollständig geschlossen, sodass die Versuche nicht durch externe Einflüsse verfälscht werden können.

Auch im Gewächshaus herrscht ein außergewöhnlich hoher Grad an Kontrolle. Die Pflanzen werden in festgelegten Intervallen als 3D-Modell gescannt, aus denen die exakte Biomasseentwicklung berechnet wird. Um Standortunterschiede zu vermeiden, werden die Pflanzen nach jeder Messung versetzt. Multispektralkameras ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Nährstoffmängeln und über Fluoreszenzmessungen wird die Photosyntheseleistung bestimmt. Besonders auffällig: Junge Blätter reagieren deutlich schneller auf Stressreize als ältere. Die Untersuchungen in Klimakammern und Gewächshäusern dienen als Grundlage für spätere Feldversuche. Auf diese Weise entsteht ein vollständiges Bild, wie sich unterschiedliche Sorten unter natürlichen Bedingungen verhalten. Das NPEC liefert damit wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung robuster, ertragreicher und klimaangepasster Kulturen.

StartLife – Unterstützung für Agrifood-Start-ups
Das Förderinstitution StartLife, ist ebenfalls auf dem Campus angesiedelt. Shivam Sharma stellte die Non-Profit-oganisation vor, die Start-ups entlang des gesamten „scale & grow“- Prozesses – von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Marktpositionierung unterstützt. Der Fokus liegt auf Technologien für die gesamte Lebensmittelkette – vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum Verbraucher. Ursprünglich war die Förderung nur für Ausgründungen der Universität vorgesehen, später wurde sie auf die gesamten Niederlande ausgeweitet. Heute ist StartLife global aktiv und unterstützt über 400 Start-ups. Zweimal jährlich richtet StartLife den „Demoday“ aus, eine offene Netzwerkveranstaltung, bei der sich Start-ups mit potenziellen Investoren, Sponsoren und Business-Partnern vernetzen können. Der nächste Demoday findet im Mai 2026 statt. Oost NL – Stärkung der regionalen Innovationskraft Die Niederlande sind nach den USA der zweitgrößte Lebensmittelexporteur der Welt. Für ein vergleichsweise kleines Land ist dies bemerkenswert und nur möglich, weil auf intelligente und nachhaltige Lebensmittelproduktion gesetzt wird. Regionale Entwicklungsagenturen wie Oost NL spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie fördern Innovationen, begleiten Unternehmen mit Wachstumspotenzial und unterstützen die wirtschaftliche Entwicklung der Region insgesamt. Angelique van Helvoort gab einen Einblick in die Arbeit der Organisation. Sie ist unter anderem für die Ansiedlung internationaler Unternehmen verantwortlich und vernetzt  Firmen europaweit.

Agropole Innovates – Grenzüberschreitender Austausch, der trägt
Das Projekt „Agropole Innovates“, welches durch das Interreg-VIProgramm Deutschland-Nederland unterstützt wird, fördert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und organisiert regelmäßig Veranstaltungen für interessierte Akteure aus Deutschland und den Niederlanden. Der Besuch auf dem Campus Wageningen war eine dieser Aktivitäten, die Fachleute und Unternehmensvertreter der Agrarbranche aus beiden Ländern zusammenführte. Neben inhaltlichem Input stand der intensive fachliche Austausch zwischen den Teilnehmenden im Mittelpunkt. „Besonders erfreulich ist, wenn wir später hören, dass neue Ideen und Kooperationen, die auf unseren Veranstaltungen entstanden sind, weiterverfolgt werden. Davon leben wir als Netzwerkverein“, sagt Lena Manten, Projektmitarbeiterin bei Agrobusiness Niederrhein e. V., dem Leadpartner von Agropole Innovates.

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