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Topfpflanzenproduktion unter Wärmeschutzglas ohne Ertrags- und Qualitätsminderung

ZINEG-Versuche: Bei gleichbleibenden Erlösen Einsparungen der Betriebskosten möglich

Die ZINEG-Gewächshäuser der Hochschule Osnabrück wurden als letztes Teilprojekt 2011 in Betrieb genommen.

Dort werden marktrelevante Zierpflanzen unter Wärmeschutzglas (WSG) und als Kontrolle unter Floatglas in Gewächshäusern mit einer Grundfläche von je 144 m² und 4 m Stehwandhöhe kultiviert.

Da WSG eine geringere Lichtdurchlässigkeit als Floatglas hat, wurde mit Ertragseinbußen gerechnet. Es konnte eine Lichtminderung von rund 16 % im Vergleich zum Kontrollhaus gemessen werden.

Die Pflanzenqualität von Pelargonien, Impatiens-Neuguinea, Elatiorbegonien, Alpenveilchen und Weihnachtssternen wurde durch die übliche Erfassung pflanzenbaulicher Parameter, wie Frisch- und Trockenmasse, Höhe und Durchmesser, bestimmt.

Um neben dem Massezuwachs auch den monetären Ertrag bewerten zu können, wurden fünf erfahrene Einkäufer gefragt, wie sie den Wert der Pflanzen beurteilten.

Um eine unbewusste Beeinflussung zu vermeiden, erhielten alle Einkäufer je vier Paletten pro Haus zur Ansicht, insgesamt also acht Paletten.

Und der Mitarbeiter der Hochschule, der die Pflanzen den Einkäufern vorführte, wusste nicht, aus welchem Haus die jeweiligen Pflanzen stammten.

Über die gesamte Saison wurde zumeist ein minimal geringeres Frisch- und Trockengewicht der Pflanzen unter WSG im Vergleich zum mit Floatglas eingedeckten Referenzhaus ermittelt; manchmal unterschieden sich die Werte auch nicht signifikant.

Diese Unterschiede wirkten sich allerdings nicht auf die potentiellen Verkaufserlöse aus. Die Einkäufer konnten keine Unterschiede feststellen.

Sie bewerteten die Pflanzen aus beiden Häusern als qualitativ und damit auch preislich gleich. Dies zeigt die Abbildung exemplarisch für Pelargonien. Verluste durch Befall mit pilzlichen Erregern, die sich durch Nässe ausbreiten können, wurden trotz der höheren Luftfeuchtigkeit nicht beobachtet.

Es muss aber festgehalten werden, dass insbesondere das Frühjahr und der Herbst strahlungsreich waren, so dass das Befallsrisiko entsprechend gering war. Mögliche Folgen erhöhter Luftfeuchtigkeit können noch nicht abschließend bewertet werden.

Der Verbrauch an Gas konnte durch den Einsatz von WSG im ersten Jahr um insgesamt 62% reduziert werden. Dabei ist zu bedenken, dass auch das Kontrollhaus mit einem Ucs-Wert von etwa 5,7 W/m²K deutlich dichter ist als der sonst übliche rechnerische Referenzwert von 7,6 W/m²K.

Im nächsten Schritt soll untersucht werden, ob das geringfügig verminderte Wachstum durch pflanzenbauliche Maßnahmen verbessert werden kann.

Ferner ist zu prüfen, ob die Gewächshausluft mit vertretbarem Aufwand zu entfeuchten ist.

Es kann festgestellt werden, dass nach diesen ersten Ergebnissen mit dem Einsatz von WSG im Zierpflanzenbau bei gleichbleibenden Erlösen deutliche Einsparungen der Betriebskosten möglich sind.

Allerdings müssen noch die höheren Investitionskosten des WSG-Hauses eingerechnet werden. Dies wird in den nächsten Versuchsjahren erfolgen.

Weitere Informationen zum Forschungsverbund ZINEG finden Sie im Internet unter www.zineg.de.

Darüber hinaus steht Ihnen das KTBL auch für direkte Fragen zum ZINEG-Forschungsverbund zur Verfügung.

Fragen zur beschriebenen Untersuchung beantwortet Ihnen Prof. Dr. Andreas Bettin von der Hochschule Osnabrück (a.bettin@hs-osnabrueck.de )

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