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Praktiker: Suche nach der Verantwortung für Pleite

Praktiker_Logo_jpg_klNachdem nun die Insolvenz Tatsache bei Praktiker wurde, liefern sich nun ehemalige Investoren und Manager einen Streit darüber, wer für die Pleite verantwortlich ist.

Die ehemalige Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny griff die früheren Vorstände und Aufsichtsräte des Konzerns deshalb scharf an.

Dem Aufsichtsrat sei es zwei Jahre nur darum gegangen, seinen „Arsch“ zu retten, zitiert das Wirtschaftsmagazin Capital die Fondmanagerin.

Dem ehemaligen Vorstandschef Thomas Fox warf de Krassny indirekt vor, die Insolvenz des Unternehmens bereits im Frühjahr 2012 provoziert zu haben.

Sie habe zunächst gar nicht verstanden, „was der Herr Fox in Wahrheit vorhat“, wird de Krassny zitiert..

Erst durch Hinweise aus dem Umfeld des Konzerns habe sie von Vorbereitungen für eine Insolvenz erfahren. Auf Nachfrage des Fachblattes ‚Capital‘ wies Fox den Vorwurf zurück.

Die Insolvenz sei keinesfalls sein Ziel gewesen, hätte Fox auf den Vorwurf geantwortet.
Ex-Großaktionärin de Krassny bezifferte ihren persönlichen Verlust durch das Praktiker-Engagement auf rund 15 Millionen Euro. Den Verdacht, sie habe mit Insider-Geschäften noch am Niedergang ihres Unternehmens verdient, wies sie zurück.

Zugleich kritisierte sie die hohen Ausgaben des Managements für externe Beratung in den vergangenen Jahren. „Es gibt keinen Berater, den wir nicht hatten. Es ist unfassbar“, sagte de Krassny.
Lt. Recherchen von ‚Capital‘ gab Praktiker allein in den Jahren 2011 und 2012 rund 70 Millionen Euro für Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Finanzdienstleistungen aus. Im ersten Halbjahr 2013 kam nochmal ein zweistelliger Millionenbetrag hinzu.

Das geht aus internen Dokumenten hervor, die ‚Capital‘ vorliegen.

Für seine Sanierung nahm der Konzern seit 2012 insgesamt 175 Millionen Euro am Kapitalmarkt auf. Die Wirtschaftskanzlei Freshfields sowie die Unternehmensberatungen Roland Berger, Boston Consulting Group und McKinsey gehörten zu den Profiteuren.

Ein schlechtes Zeugnis für den Praktiker-Aufsichtsrat stellte auch der ehemalige Kontrolleur Alexander Eichner aus. „Dieser Aufsichtsrat war geprägt von Eitelkeiten, Seilschaften, Verschleierung, Claqueuren, Schweigern, Intransparenz und Beißhemmungen.Es gab kein Durchkommen“, sagte er gegenüber ‚Capital‘.

Der Sanierungsexperte Eichner war Ende 2012 in das Kontrollgremium eingezogen, legte das Mandat aber bereits nach drei Monaten nieder.

Der langjährige Auslandsvorstand, Michael Arnold, räumte strategische Fehler von Vorstand und Aufsichtsrat ein. Die Billig-Kampagne „20 Prozent auf alles“ habe das Unternehmen in eine Falle geführt. „Natürlich haben wir gesehen, dass das nicht gut geht. Aber niemand von uns wusste, wie wir da wieder rauskommen“, sagte er der Zeitschrift ‚Capital‘.

Simon meint:

Wenn man nun erfährt, wie ein, einst stolzes Baumarktunternehmen in der kritischen Phase geführt wurde, so ist man doch einigermaßen erstaunt.

Nachdem das Kind nun in den Brunnen gefallen ist, geht jetzt eine allgemeine Schlammschlacht los.

Wieder ist klar geworden, dass sowohl Aufsichtsräte wie auch Vorstände in solchen Fällen immer erst auf ihr eigenes Wohl achten.

Wenn man Verantwortung für Tausende von Arbeitsplätzen hat, sollte man eigentlich eigene Belange in den Hintergrund stellen können.

Hier muss man sich erneut die Frage nach Moral und Anstand in den Führungsetagen solcher Konzerne stellen.

Da die Praktiker-Führungskräfte mit opulenten Verträgen ausgestattet waren, brauchen sie sich im Gegensatz zu den normalen Mitarbeitern keine existenziellen Sorgen zu machen. 

Die Aussage von Herrn Michael Arnold sagt schon sehr viel über die Einstellung dieser Herren aus.

Obwohl man wusste, dass die 20 Prozent Strategie nicht gut gehen würde, hat man weiter an diesem Instrument festgehalten.

Um es bildlich zu beschreiben, kann man sagen: „Die Mauer war schon in Sichtweite, trotzdem wurde mit Vollgas weitergefahren“.

Als man feststellte, dass Praktiker kaum noch zu retten war, wurden alle renommierten Unternehmensberater mobilisiert.

Für diese Herren wurden mindestens 70 Millionen Euro ausgegeben, die dem Unternehmen unter dem Strich nichts mehr gebracht haben.

Dies ist besonders gegenüber der Mitarbeiterschaft, die ihrerseits auf Teile ihrer Gehaltes verzichtet hatten, eine Unverschämtheit.

Es geht aber nicht alleine um die Mitarbeiter, sondern auch um die vielen kleinen bis mittelständischen Zulieferfirmen, die ebenfalls unter der Insolvenz zu leiden haben.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Insolvenzverwalter einen solventen Käufer für die Märkte finden.

Den vielen Tausend Mitarbeitern kann man nur wünschen, dass die Zeit der großen Sorgen bald wieder vorüber ist.

 

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