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Praktiker AG: Die Situation spitzt sich weiter zu

Wie man der einschlägigen Presse entnehmen kann, droht die US-Finanzgesellschaft Anchorage ihr Angebot für das rettende 85-Millionen-Euro-Darlehen zurückzuziehen, wenn der Praktiker-Aufsichtsrat nicht zügig zu einer Entscheidung über die Vereinbarung kommt.
Am gestrigen Mittwoch fand aus diesem Grund eine außerordentliche Sitzung des Praktiker Aufsichtsrates statt. Zu dem Ergebnis der Verhandlungen wollte der Baumarktkonzern bisher auf Nachfrage keine Stellungnahme abgeben.

Ohne das Anchorage-Darlehen droht dem Unternehmen die Insolvenz, so hatte es der Finanzvorstand Schürholz zumindest auf der letzten Hauptversammlung beteuert.

Die Finanzgesellschaft verlangt anscheinend weitere Zugeständnisse von Banken, Kreditversicherern und den Vermieter von Max Bahr. Außerdem scheint den Hedgefonds-Managern, die bislang noch nie in Sachen Praktiker öffentlich in Erscheinung getreten sind, so langsam der Geduldsfaden zu reißen.

Ein weiterer Absturz der Praktiker-Aktie brächte die Kapitalerhöhung in Gefahr. An der Börse reagierten die Anleger am Mittwoch auf die Unsicherheit und die vielen offenen Fragen. Der Kurs von Praktiker fiel auf 1,02 Euro, womit die beabsichtigte Kapitalerhöhung in Hohe von 60 Millionen Euro in Gefahr gerät. Zwischenzeitlich hat sich der Kurs wieder leicht erholt.

Die Kapitalerhöhung ist jedoch notwendiger Bestandteil des gesamten Finanzierungskonzepts, das der amtierende Vorstand gegen den erklärten Willen der Großaktionäre durchsetzte. „Wenn nur ein Baustein fehlt, bricht das gesamte Gebäude zusammen“, hatte der Praktiker-Vorstand den Aktionären auf der Hauptversammlung eingeschärft.

Laut einem Bericht der Lebensmittel-Zeitung soll das Unternehmen derweil wieder Gespräche mit der Vertreterin der Großaktionäre Isabella de Krassny aufgenommen haben. Die Fondmanagerin will ein alternatives Finanzierungs- und Restrukturierungskonzept realisieren – allerdings auch mit einem neuen Vorstand.

Simon meint:

Mir ist sehr bewusst, dass man die Lage bei Praktiker ohne Insider-Wissen nur sehr schwer beurteilen kann.

Wenn man die Geschehnisse bei Praktiker von außen betrachtet, dann stellt sich bei mir doch ein gewisses Unbehagen ein.

Aktuell befinden wir uns in einer Niedrigzinsphase und der Praktiker Konzern verhandelt über einen Kredit der mit Konditionen von ca. 17 Prozent ausgestattet ist.

Die  Verpfändung der Konzerntochter Max Bahr zur Absicherung dieser Finanzierung setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Zusätzliche Forderungen der Geldgeber, wie oben beschrieben, verschärfen die Situation.

Natürlich steckt für den Geldgeber ein Risiko hinter dem Engagement, aber derartige Konditionen sind fast schon unmoralisch, wobei das Wort „Moral“ in einigen Kreisen der realen Wirtschaft nur noch wenig Bedeutung hat.

Wie schlecht geht es Praktiker eigentlich, dass man sich auf diese diktierten und total überzogenen Konditionen eines Hedgefonds einlässt? Es muss schlimm sein!

Der Vorstandsvorsitzende Dr. Kay Hafner war doch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Aufsichtsrates in den vergangenen Jahren mit entscheidend an dem Desaster beteiligt.

All die nutzlosen Ideen des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Werner und seiner Mitstreiter wurden im Aufsichtsrat abgesegnet, in dem damals auch Dr. Kay Hafner saß.

Jetzt hat man den Bock zum Gärtner gemacht, der nun den Turnaround bewerkstelligen soll.

Ich möchte mich hier ausdrücklich auf die Seite der Fondmanagerin Isabella de Krassny stellen.

Natürlich hat Sie bei einem Aktienanteil von ca. 15 Prozent an der Praktiker AG eigene Interessen. Das ist absolut normal und legitim.

Sie hat aber auch klar gemacht, dass es ihr darum gehe die Praktiker AG wieder auf den Weg der Gesundung zu bringen. Darüber hinaus war Sie die Einzige, die auch die auf dem Spiel stehenden Arbeitsplätze zum Thema machte.

Ich finde es beeindruckend wie Sie, trotz permanenter Rückschläge, immer weiter versucht ihr eigenes Konzept durchzudrücken.

Es ist schon eine ziemliche Borniertheit, wenn der Vorstand einer AG seine Hauptaktionäre in dieser Form vor vollendete Tatsachen stellt.

Offensichtlich ist es jetzt wohl doch so gekommen, dass der Praktiker Vorstand wieder Gespräche mit Isabella de Krassny aufgenommen hat.

Wenn es hierbei zu tragbaren Ergebnissen bezüglich der Finanzierung käme, wäre das sicherlich ein wichtiger Meilenstein für das Unternehmen.

Auch die Neubesetzung der Position des Vorstandsvorsitzenden ist aus meiner Sicht überfällig.

In der nächsten Zeit wird man sehen, ob Praktiker den Absturz verhindern kann.

Gefragt sind jetzt mutige und richtungsweisende Entscheidungen.

Diese andauernde Hängepartie ist für Lieferanten und Mitarbeiter nur schwer zu ertragen.

Aktualisierung Donnerstag, den 30.08.2012 – 18:30 Uhr

Der Vorstand der Praktiker AG hat beschlossen, die Exklusivität mit Anchorage Capital Europe LLP (Anchorage) aufzukündigen und unverzüglich Verhandlungen mit der Semper Constantia Privatbank AG (Semper Constantia) über ein von dieser gestern vorgelegtes, neues Kreditangebot aufzunehmen.

Anchorage hatte in den Kreditverhandlungen Nachforderungen gestellt, die trotz Entgegenkommens der Beteiligten nicht umfänglich erfüllt werden konnten. Mit Semper Constantia wurde bereits heute ein erstes Gespräch über das Kreditangebot und dessen Realisierungswahrscheinlichkeit geführt. Dieses ist positiv verlaufen und lässt erwarten, dass nunmehr ein Vertragsabschluss über die Super Senior Facility kurzfristig und zudem zu besseren Konditionen erfolgen wird.

Damit ist dann ein weiterer wesentlicher Schritt zur Realisierung des vom Vorstand und Aufsichtsrat beschlossenen Sanierungskonzepts erreicht. (Quelle: Veröffentlichung einer Ad-hoc-Mitteilung nach § 15 WpHG, übermittelt durch die DGAP – ein Unternehmen der EquityStory AG)

 

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