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Praktiker AG: Ausgehandelter Kompromiss von der Hauptversammlung angenommen.

Es war die Rettung in letzter Minute: Die beiden Großaktionäre der Baumarktkette Praktiker haben nach einer Kehrtwende nun doch grünes Licht für ein Sanierungskonzept signalisiert.

Deren Fondsmanagerin Isabella de Krassny kündigte bei der Hauptversammlung am Mittwochabend in Hamburg an, dem Konzept zuzustimmen.

„Ich habe mich zu dem Kompromiss entschlossen, damit der Fortbestand des Unternehmens auf keinen Fall gefährdet ist“, sagte de Krassny.

Zuvor hatte der Vorstand von einer drohenden Insolvenz gesprochen. Eine dringend benötigte Kapitalspritze des US-Investors Anchorage über 85 Millionen Euro muss nun noch endgültig ausverhandelt werden.

In einer teilweise tumultartigen Hauptversammlung war eine wesentliche Forderung der Großaktionäre erfüllt worden:

Zwei Aufsichtsräte treten zurück. Und für den Vorstand sollen weitere Mitglieder gesucht werden, für die Sparten Einkauf sowie Vertrieb.

Dr.Kay Hafner wird seine Tätigkeit als Vorstandschef der Praktiker AG, so wie bisher vorgesehen, zunächst bis zum 13.08.2012 ausüben.

Isabella de Krassny, die den zypriotischen Finanzfonds Maseltov (zehn Prozent Anteil) sowie die österreichische Privatbank Semper Constantia mit rund fünf Prozent Anteil vertritt, hatte das Sanierungspaket zunächst als inakzeptabel abgelehnt.

In den Aufsichtsrat sollen nun zwei Mitglieder einziehen, die die Fondsmanagerin vorgeschlagen hatte. Namentlich sind dies Armin Burger vom Aufsichtsrat der Vivatis AG in Linz (Österreich) sowie der Aufsichtsratschef der Privatbank Semper, Erhard Grosnigg.

Aus dem Aufsichtsrat scheidet Kay Hafner aus, der zur vorübergehenden Führung an die Praktiker-Spitze delegiert worden war. Auch das Mitglied EbbePelle Jacobsen geht.

Fondsmanagerin de Krassny setzt nun auf „ihre“ beiden Aufsichtsräte bei der Ausverhandlung des Anchorage-Darlehens, die die Max-Bahr-Märkte als Sicherheit haben wollen.

Die Kontrolleure sollen sicherstellen, dass Max Bahr nicht letztendlich als Herzstück mit einem Unternehmenswert von 112 Millionen Euro verloren geht.

Ich bin immer noch gegen Anchorage„, sagte de Krassny nach der Einigung. Aber ohne ihre Zustimmung hätte Anchorage den Vertrag gleich platzen lassen. „Ich bin gezwungen worden zuzustimmen.“

Auch ihren Gegenentwurf will die Managerin weiter verfolgen und zu bereitstehenden 55 Millionen Euro 30 Millionen Euro einsammeln.

Nach ihrem Willen soll auch Vorstandschef Hafner ersetzt werden – von einem früheren Obi-Baumarktchef Andreas Sandmann. „Er ist vom Fach“, sagte de Krassny.

Die Hauptversammlung der Praktiker Aktionäre dauerte am gestrigen Mittwoch bis gegen 24:00 Uhr.

Die Aktionäre erteilten den ehemaligen Vorständen Fox, Schultheis, Werner und Warnking keine Entlastung. Auch alle Aufsichtsratsmitglieder erhielten ebenfalls keine Entlastung.

Auch der geplante Umzug der Konzernzentrale von Kirkel nach Hamburg fand nicht die Zustimmung der Aktionäre.

Abschließend wurde der oben beschriebene Kompromiss von der Hauptversammlung angenommen. Kapitalerhöhung und Optionsanleihen durch. De Krassny bekommt Einfluss und Aufsichtsratsposten.

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