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Landgard: Neue Führung hält Kontakt mit den Mitgliedern

landgard-neuTrotz schwieriger Absatzsituation in 2013 positive Entwicklungsprognose

Die diesjährigen Herbstversammlungen, zu denen der Beirat Blumen & Pflanzen die Landgard Mitgliedsbetriebe eingeladen hatte, fanden in Friedeburg, Kevelaer, Dresden, Schwieberdingen und Straelen statt.

Der Landgard Vorstandsvorsitzende Armin Rehberg betonte in seiner Ansprache an die Landgard Mitglieder, dass die vorgenommenen Umstrukturierungen greifen. „Landgard hat die notwendigen Veränderungen vorgenommen, um das Geschäft zukunftsfähig aufzustellen.“

Im Sanierungsgutachten gibt es trotz eines wetterbedingt schwierigen Jahres 2013 eine positive Fortführungsprognose. Die operativen Ergebnisse konnten weiter verbessert werden. „Die Liquidität ist gesichert, Brandherde wie Landgard UK, Bloomways oder Godeland sind identifiziert und teilweise schon gelöscht.

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Die Führung und die Struktur sind neu aufgestellt, mit einer neuen Mannschaft an der Spitze und einem veränderten Führungsstil gepaart mit der Erfahrung langjähriger, verdienter Mitarbeiter.

Kosten wurden reduziert und die Handlungsfähigkeit verbessert“, beschrieb der neue Vorstandsvorsitzende die Aktivitäten der vergangenen Monate. Landgard wird sich auf Geschäfte mit Ergebnisbeitrag fokussieren und keinen Umsatz um jeden Preis machen. Dabei sei es wichtig, dass Landgard mit den Bereichen Obst & Gemüse sowie Blumen & Pflanzen auf zwei Füßen steht und seine Vertriebskanäle optimiert.

Verbraucherorientierte Produktentwicklung

Im Hinblick auf die Marktsituation und den zu erwartenden Rückgang der Verbraucherausgaben im Jahr 2013 wies Vorstand Karl Voges auf die Dringlichkeit hin, sich den Marktgegebenheiten zu stellen: „Die Marktzahlen sind seit Jahren stabil. Doch wir müssen akzeptieren, dass der Kuchen nicht größer wird, den es zu verteilen gibt.“ Eine verbraucherorientierte Produktion in den Gartenbaubetrieben und eine strategische Ausrichtung der Geschäftsbereiche bei Landgard seien geboten. Optimierungspotenzial gebe es unter anderem bei den Cash & Carry Märkten, die inhaltlich weiterentwickelt werden sollen.

Konstruktive Diskussion

Im weiteren Verlauf der Versammlungen wurden die Themen selbsterklärende Erzeugerabrechung, Anpassung der Anliefererverträge in 2015 mit neuen Vertragstypen, die Einführung von Staffelpreisen im Rundverkehr, die erstmals den Verzicht auf Preiserhöhungen ermöglichen, eine neue Vertriebsstruktur im Regionalvertrieb sowie Produktentwicklung und Werbung konstruktiv diskutiert.

Beirat und Vorstand begrüßten die offene Diskussion und machten deutlich, dass diese Form der engen Zusammenarbeit mit den Gremien und die Einbeziehung der Erzeugerbetriebe in Entscheidungsprozesse der Führungsstil sei, mit dem man gemeinsam die Zukunft von Landgard gestalten wolle.

Simon meint:

Ich halte es für sehr angebracht, dass die Diskussion zwischen Erzeugern und der Vermarktungsorganisation wieder stärker in Gang kommt. Schließlich handelt es sich bei Landgard um eine Genossenschaft, die im Sinne der Produzenten eine passende Vermarktungsstrategie verfolgen und installieren soll.

Das ist jedoch nicht so einfach, da der Markt sich immer schneller verändert, und zwar grundlegend.

Schon bei FloraHolland hat man festgestellt, dass immer mehr Produzenten sich in Eigenregie, unter Zuhilfenahme spezieller Konzepte, um die Vermarktung Ihrer Produktion kümmern. Wie man in der näheren Vergangenheit gesehen hat, gibt es auch bei den Mitgliedern der Landgard immer mehr Produzenten, die sich um eigene Vermarktungskonzepte bemühen.

Die großen Baumarktketten beispielsweise tendieren verstärkt dazu selbst an die Produzenten zu gehen, um einen direkten Draht zur Produktion zu haben und ihre Wünsche direkter platzieren zu können. Bis heute ist die Landgard nur sehr zögerlich bereit dem Kunden die für einen Auftrag infrage kommenden Produktionsbetriebe zu nennen, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Hierzu muss man die grundsätzliche Frage stellen, ob die Landgard sich weiterhin in einer Großhandelsfunktion sieht. Aus meiner Sicht sollte der Fokus viel stärker auf das Thema „Service-Provider“ gerichtet werden.

Der Service-Provider ist zwischen Produzent und Kunde angesiedelt. Seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, sich um Bündelung, Service und Logistik zu kümmern. Die Auswahl und Beschaffung der benötigten Ware wird direkt vom Kunden in Zusammenarbeit mit dem Provider wahrgenommen. Eine offene Kalkulation zwischen Service-Provider und Kunde schafft Vertrauen und wäre die optimale Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Das Problem im Blumen- und Pflanzenmarkt liegt darin, dass fast bei allen relevanten Artikeln eine Überproduktion vorhanden ist. Der dadurch entstehende Preisdruck macht nicht nur den Produzenten, sondern auch den Vermarktern gehörig zu schaffen. Nur die Betriebe, die über eine schlanke Organisationsstruktur verfügen, sind noch in der Lage kostendeckend zu arbeiten.  Aus diesem Grund haben sich viele kleinere und mittlere Großhandelsbetriebe mit einer rationalen Organisationsstruktur rund um die Landgard etablieren können. Zusätzlich sind die Mitarbeiter in diesen Betrieben oft hoch motiviert und innerhalb der Administration und der daraus resultierenden Auftragsakquise schneller, flexibler und anpassungsfähiger als der genossenschaftlich organisierte Mitbewerber.

Notwendige Veränderungen innerhalb der Organisation dieser Inhaber geführten Betriebe sind rascher umzusetzen, als dies in einem genossenschaftlichen Unternehmen mit seinen schwerfälligen Entscheidungsstrukturen möglich ist.  Landgard muss sich die Frage stellen, ob der derzeit beschrittene Weg wirklich zielführend ist.

Die ggf. vorhandenen Überkapazitäten an Gebäuden, Personal und Betriebsmitteln mit den daraus resultierenden Fixkosten, drücken stark auf die Kalkulation, müssen jedoch bei der Preisbildung berücksichtigt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass alleine diese Kosten dafür sorgen, dass man sich schleichend aus dem Markt drängen lässt.

Kurzum, ein grundlegender Strategiewechsel wird sich nicht vermeiden lassen.

Man darf gespannt sein, ob die neuen Vorstände bereit sind, die wirklich heißen Eisen anzufassen.

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