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Fachgespräch mit der Politik zur nachhaltigen Torfverwendung im Gartenbau

ZVGZVG und Vertreter der Branche zu Gast bei der SPD

Am gestrigen Vormittag diskutierten auf Einladung des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) Vertreter aus Industrie, Forschung und Umweltschutz in einem Fachgespräch mit Abgeordneten der SPD über die nachhaltige Torfverwendung im Gartenbau.

Wie im Februar bei einem Treffen des ZVG-Umweltausschusses von MdB Waltraud Wolff (SPD) angeregt, können so in Gesprächen einzelne Themen des Gartenbaus komplex beleuchtet werden und eine weitere Vorgehensweise ermittelt werden.

ZVG-gruppenbild_torf_pd25_2013Teilnehmer des Fachgesprächs mit der SPD zum Thema „Nachhaltige Verwendung von Torf im Gartenbau“: v.l. Johannes Welsch (IVG), Michael Emmel (Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover-Ahlem), MdB Waltraud Wolff (SPD), Dr. Hans Joachim Brinkjans (ZVG), MdB Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD), Felix Grützmacher (NABU). Foto: ZVG

Stellvertretender Generalsekretär und Referatsleiter Umwelt im ZVG, Dr. Hans Joachim Brinkjans, skizzierte zunächst die Anwendungsbereiche des Torfes im Gartenbau und die Anforderungen an Substrate.

Weiterhin stellte er das im April vom ZVG-Präsidium verabschiedete Positionspapier zum Thema Torf vor.

Demnach ist nachhaltiger Einsatz von Torf in Kultursubstraten für die Gartenbauunternehmen auch in Zukunft unverzichtbar, da er ein risikominimierender und exzellenter Substratausgangsstoff sei.

Der Erwerbsgartenbau könne nicht auf den Torfeinsatz verzichten, in Anteilen sei aber eine Lösung mit alternativen Stoffen möglich. Der ZVG strebt dahingehend einen gemeinsamen Aktionsplan an.

Moorschutzexperte des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Felix Grützmacher, verweist auf die mit Torf verbundenen CO2-Emissionen und besteht auf Sicherung der Folgenutzung nach dem Abbau für den Naturschutz .

Außerdem sieht er Defizite bei der Umsetzung und langfristigen Sicherung der Wiedervernässungsmaßnahmen.

Grützmacher fordert eine Reduktion des Torfeinsatzes sowie Förderung von Substituten als Torfersatz. Er sieht aber auch die Schwierigkeiten, denn Rohstoffe für Substitute sind begrenzt und werden zunehmend energetisch genutzt.

Der NABU fordert Festlegungen von Zielen durch die Branche für die Torfersatzstoff-Nutzung, wobei er eine klare Trennung zwischen dem Hobbybereich und dem professionellen Gartenbau sehe.

Johannes Welsch, Geschäftsführer des Industrieverband Garten (IVG), merkte an, dass Torf für weniger als 0,2 Prozent der CO2-Gesamtemmissionen in Deutschland verantwortlich sei und stellte Erfolge der Wiedervernässung vor.

Weiterhin verdeutlichte er, dass alternative Stoffe wie Rindenhumus, Holzfaser, Kokosfaser oder Kompost nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen. Torf sei aus gutem Grund der wesentliche Ausgangsstoff für die Herstellung von Blumenerden und Kultursubstraten, bislang sind alle bekannten Ersatzstoffe suboptimal und bei weitem nicht ausreichend verfügbar.

Welsch betonte aber auch, dass sich die Erdenindustrie dem Thema des Einsatzes von Ersatzstoffen stellt und aktiv einbringt.

Dipl.-Ing. agr. Michael Emmel von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover-Ahlem stellte die Möglichkeiten und gleichzeitig die Grenzen des Einsatzes von Substratausgangsstoffen dar.

Er merkte die notwendige Kultursicherheit, Qualität und Gütesicherung an. Das Ausmaß der Torfreduktion sei abhängig von den Ansprüchen der Kulturen und dem Verwendungszweck.

Die Verfügbarkeit und die Kosten alternativer Stoffe in der erforderlichen Qualität begrenzen den Einsatz in Substraten. Letztlich biete jeder Ausgangsstoff pflanzenbauliche, wirtschaftliche und ökologische Vor- und Nachteile.

MdB Waltraud Wolff dankte dem Zentralverband Gartenbau (ZVG) für seine Initiative und begrüßte, dass der ZVG sich aktiv am Dialog für mögliche Lösungsansätze beteiligt und konkrete Maßnahmen unternimmt.

MdB Dr. Wilhelm Priesmeier betonte die Notwendigkeit einer strategischen Planung von langfristigen Konzepten, daher schlägt Wolff, mit Unterstützung von Dr. Priesmeier, vor, eine Bund-Länder-AG zu konstituieren, die bundesweit mit allen Betroffenen klare Ziele und Maßnahmen erarbeitet.

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